Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 64 (1920)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Marcus Brann
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 245 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Marcus Brann. 246 für den Vollstrecker des Erbes seines Lehrers Graetz, An Graetz״ Auf fassung und Darstellung der jüdischen Geschichte hielt er im großen und ganzen fest; die Aufgabe des jüdischen Historikers sah er darin, das Werk des Meisters in den Einzelheiten auszuführen und zu vervollkommnen, es den Fortschritten der Wissenschaft gemäß zu berichtigen, zu erganzen und fortzubilden. Von diesen Grundsätzen ließ er sich bei der Neuherausgabe des Graetzschen Geschichtswerkes leiten; der Wortlaut mußte unverändert bleiben, eine Reihe von Zusätzen, aus der die Mühe des Bearbeiters sich nicht erkennen läßt, machte das Werk benutzbar für die Gegenwart. Graetz diente auch als Vorbild für seine eigene ״Geschichte der Juden und ihrer Literatur", in der ״aus der erdrückenden Fülle des Materials diejenigen Ereignisse, Persönlichkeiten und Literaturerzeugnisse ausgewählt und behandelt worden sind, deren unmittelbarer Einfluß auf die Gestaltung des religiösen Lebens der Gegenwart fortdauert". Aus allen Teilen dieser populären Darstellung erkennt man die Feder des Wissenschaftlers; klare, übersichtliche Darstellung, edle, gehobene Sprache vereint sie mit dem .sicheren Urteil des Fachmanns. Namentlich in der gekürzten Form des ״Lehrbuchs" hat diese Arbeit weite Verbreitung gefunden; unter allen volkstümlichen Schriften über jüdische Geschichte und Literatur ist die Brannsche die einzige, die von wissenschaftlichem Geiste durchdrungen ist und dabei den berechtigten Ansprüchen der Schule Genüge leistet. Der Absicht des Verfassers nach sollten auch seine selbständigen Arbeiten dazu dienen, das große Geschichtsbild des Meisters zu verdeutlichen, aber sie führen dennoch schon in der Methode ihrer Anlage und Durchführung über Graetz hinaus. Die ״Geschichte der Juden in Schlesien", an der Brann mit so viel Liebe gearbeitet hat, ist das Muster einer jüdisch-geschichtlichen Monographie; die glückliche Vereinigung eines umfassenden Quellenmaterials verschiedenster Herkunft, seine sorgsame Bearbeitung und