Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 64 (1920)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Marcus Brann
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 243 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2829132-2829897-2829902-2895322--44082-2895352- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Marcits Brann; 243 schichte geschrieben, jetzt galt es,, die Erforschung der jüdischen Geschichte zu sichern, eine Schule für ihre Pflege zu bilden. Schwieriger als die jedes anderen Historikers ist die Aufgabe des Vertreters der jüdischen Geschichte. Jeder andere kann sich auf einen begrenzten Zeitraum oder eine bestimmte Ländergruppe beschränken, dem jüdischen obliegt es, die gesamte Geschichte des jüdischen Volkes vom Urbeginn bis zur Gegenwart zu behandeln. Die Fülle der Fragen, welche die allgemeine Geschichte aufgibt, wird durch die besonderen jüdischen Probleme vermehrt, dem Leben der Juden muß in den Quellen aller Länder und Sprachen nachgespürt werden. Dazu kommt, daß ihre wissenschaftliche Behandlung noch jung ist, daß es ihr an Arbeitern mangelt und andennotwendigen methodischen Hilfsmittein fehlt. Wer das Lehramt in der jüdischen Geschichte ernst nimmt, sieht sich noch heute vor fast unüberwind״ liehe Schwierigkeiten gestellt; vor einem Menschenalter stand er geradezu dem Nichts gegenüber, der Aufbau für einen - systematischen Geschichtsunterricht war erst zu schaffen. Brann hat seine Aufgabe nicht leicht genommen und sich um ihre Erfüllung redlich bemüht. Ob sich in seinem Nachlaß ausgearbeitete Vorlesungen oder Beiträge zur Methodik der jüdischen Geschichtsforschung finden, läßt sich noch nicht übersehen, aber wer ihn gehört hat, weiß, wie sehr er bemüht war, historisches Denken und historisches Arbeiten anzuregen. Eine stattliche Zahl tüchtiger historischer Leistungen ist aus seiner Schule hervorgegangen. Schon dieser eine Lehrauftrag war geeignet, mehr als einen ganzen Mann in Anspruch zu nehmen. Graetz aber hatte auch Vorlesungen über die Bibel gehalten, und sein Nachfolger mußte gleichfalls die Vertretung der Bibelwissenschaft mit übernehmen. Brann war daher gezwungen, seine Kraft zu teilen und sich in ein Gebiet einzuleben, mit dem er geringere Fühlung hatte und das seiner ganzen Anlage weniger entsprach. Er hat mit Bienenfleiß dafür gearbeitet 16*