Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 64 (1920)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Marcus Brann
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 242 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2829132-2829897-2829902-2895322--44081-2895351- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
242 Marcus Brann. schichte, dem er unter Graetz und besonders an dem ausgezeichneten historischen Seminar der Universität Breslau eifrigste Pflege ,widmete. Zu einer ungewöhnlichen Belesenheit und Vielseitigkeit der Interessen trat eine gediegene Ausbildung und Arbeitsmethode. Mit noch heute lesenswerten Untersuchungen über die Herodäer1) und die Megillat Taanit führte er sich vortrefflich in die Literatur ein; es ist tief zu bedauern, daß er dem Gebiet der alten jüdischen Geschichte sich ganz entfremdete, um sich fast ausschließlich der Lokal- und Gelehrtengeschichte zuzuwenden. Für eine wissenschaftliche Laufbahn, wie sie dem jungen Gelehrten vorschwebte, fehlte damals jede Möglichkeit; er sah sich gezwungen, im Lehr- und Predigtamt sein Brot zu suchen. Die eineinhalb Jahrzehnte der praktischen Betätigung waren für Brann nicht verloren; sie haben ihn in Verbindung mit dem Leben gebracht, seinen Blick für die Wirklichkeit geschärft, seine organisatorischen Fähigkeiten gefördert, sein pädagogisches Interesse und Geschick erhöht und sind indirekt seiner späteren Wirksamkeit zugute gekommen. Er hat in dieser Zeit sein Arbeitsgebiet ausgeweitet und den Grund zu jener stupenden Gelehrsamkeit gelegt, als deren Vertreter er später bekannt war und die einzelne seiner Veröffentlichungen schon damals verrieten- Eingeweihte wußten, was sie von ihm erwarten durften, und nach Graetz״ plötzlichem Tode (1891) herrschte kein Zweifel darüber, daß er sein berufener Nachfolger war. Damit ward Brann auf einen Posten gestellt, auf den damals die Erwartung der ganzen Judenheit sich richtete. Die Genialität eines Graetz läßt sich nicht ersetzen; das zu tun, hat Brann in seiner schlichten Bescheidenheit nie prätendiert; er wollte Graetz״ Erbe verwalten und seinen Jüngern als Besitz übergeben. Der Meister hatte die jüdische Ge- *) Ein Verzeichnis von B ran ns Veröffentlichungen enthält die ihm* gewidmete Festnummer der Monatsschrift LXUI, 1917, S. 81 ff.