Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 64 (1920)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Etliche Streiflichter auf Friedrich Delitzschs "Große Täuschung"
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 170 (sequence 8)
- Language
- German
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170 Etliche Streifliohter■ auf Friedrich Delitzschs ״Große Tättschung®« fest, dann macht Hr. :Delitzsch seine Fragezeichen: der :,israelitische Ankläger“ ist einer, der den Sodomitem Böses ״nachsagt״f. Ein widerwärtiges, unwissenschaftliches Messen mit zweierlei Maß. Eine weitere Irreführung seiner Leser leistet sich Hr. Delitzsch״ wenn er boshaft grinsend sie darauf aufmerksam macht, daß der ״israelitische Ankläger** (näml. der Erzähler von Gen. 19,4—10, welcher nach Delitzsch mit dem Erzähler von Rieht. 19— 21 eine Person ist) ״sich gar nicht bewußt war, daß er mit seinem Verdammungsurteil gleichzeitig den ganzen Stamm Benjamin traf“. Von einem ״Urteil“ bezw. ״Verdammungsurteil“ ist hier überhaupt keine Rede, sondern lediglich von einem nackten Tatsachenbericht des israelitischen Historikers. Es1 ist aber nicht bloß, wie Hr.. Delitzsch will, eine einzige und vereinzelte Tatsache, die nach dem Bericht des Erzählers das Veriilgungsgericht über Sodom herbeigeführt hat, sondern die zum Himmel schreiende allgemeine Ruchlosigkeit der Stadt (vergl. Gen. 13, 13; 18, 20), die ihren Höhepunkt am Abend vor Ausbruch des Gerichtes erreichte. Mit Sodom will Hr, Delitzsch den Stamm Benjamin vergleichen? Vom Stamm Benjamin kann Hr, Delitzsch nichts berichten, woraus auf eine allgemeine sodomitische Verderbtheit desselben geschlossen werden könnte. Und wenn der Stamm sich ״mit den Lüstlingen solidarisch erklärte“ (S. 45), welche in Gibea eine sodomitische Schandtat verübt hatten, so war das keine Sympathie-Erklärung mit der Greueltat, sondern lediglich eine Kundgebung des Zusammenhaltens aller Stammesgenossen untereinander gegen die Auslieferungsforderung der anderen Stämme. ״Es ist das“, wie Vilmar (ColLbibl. zu Rieht. 20) bemerkt, ״die menschliche, s ü.n'.d ־־ liehe Seite des Familienzusammenhangs, welcher auch das Unrecht vertritt“. ״Gerade bei uns Deutschen“, fährt Vilmar fort, ״wo starker Familien- und Stammeszusammenhang stattfand, ist diese Sünde sehr häufig hervorgetreten. Bei unsem Bauern zumal rechtfertigt die Blutsverwandtschaft