Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 64 (1920)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Etliche Streiflichter auf Friedrich Delitzschs "Große Täuschung"
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 167 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2829132-2829897-2829901-2895221--43994-2895245- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Etliche Streiflichter auf Friedrich Delitzschs ״Große Täuschung167 ,״ auch in die allemeueste, eingreifender Gott. Hr. Delitzsch wird das wohl zugeben. Schauen wir nun die1 Schrift des Hm; Delitzsch etwas näher an. An 3 Beispielen will er ״dem gebildeten Laien zum Bewußtsein bringen, in welchem Grade es notwendig ist/ die uns überkommenen alttestamentlichen Glaubensanschauungen zu überprüfen und von Grund aus heu zu gestalten“. Die 3 Kapitel sind überschrieben: 1. *,Israels Eindringen in Kanaan“ (S. 8—52); 2. ״Die Gottesoffenbarurig vom Sinai“ (S. 52—80); 3. ״Die Tätigkeit der Propheten“ (S. 80—93). Nur stichprobenweise kann eine Besprechung in diesen Blättern vorgenommen werden. Vor etwa einem Jahre las ich zu meiner Verwunderung in der Schrift eines befreundeten jüdischen Gelehrten die Bemerkung, daß ״die durch und durch sittlich faule heidnische Welt von c h ristlichen Theo lögen liebevoll in Schutz genommen werde“. Mir kam das wie eine Entgleisung vor. Denn die Entartung des Heidentums ist auch unter solchen ,,christlichen“ Gelehrten, die ferne vom Christentum stehen, eine ausgemachte Sache, und Döllingers grundlegendes Werk ״Heidentum und Judentum“ (Regensburg 1857) ist immer noch autoritativ. Hr. Friedr. Delitzsch aber ist wirklich so ״untemähmend“, die Kanaaniter liebevoll in Schutz zu nehmen. ״ ״Wie poetisch“, sagt er S. 80, ״mutet uns der von den hebräischen Propheten in Grund und Boden verfluchte Kult der Kanaaniter an, die der heilbringenden Göttin Aschera auf jeder Höhe und unter jedem üppig grünenden, schattenspendenden Baum Verehrung und Anbetung zollten!“ Eine geradezu unglaubliche Bedienung der ״gebildeten Laien“, für die Hr. Delitzsch mit der Versicherung ״strengster* immer erneuter Prüfung“ *geschrieben hat (S. 6). Diese gebildeten Laien wissen nämlich längst, daß die ״Poesie“ des Aschera-Kultus von der gleichen Art war wie die ״Poesie“ in den Freudenhäusern Berlins.