Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 64 (1920)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Philons Lehre vom Heiligen Geist und der intuitiven Erkenntnis
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 121 (sequence 21)
- Language
- German
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Philons Lehre vom Heiligen Geist und der intuitiven Erkenntnis.- 121 der freilich, soweit er nur auf Beseitigung oder Milderung der Anthropomorphismen und auf Verinnerlichung der Frömmigkeit ausgeht, nur eine Auswirkung des uranfänglieh im Judentum vorhandenen Wesenskerns bedeutet, in Essäertum und Therapeutik aber durch die Bedeutung, die der. Ekstase und der Askese beigelegt wird, über die Anschauungen des biblischen Judentums wesentlich hinaus־־ führt. So wirkt in Hellas und in Palästina vollkommen und selbständig dieselbe Tendenz, derselbe ,,Jenseitsdrang“ in dem Sinne, wie wir oben (S. 19) das Wort glaubten verstehen zu dürfen; von . dieser bp/x-q ist Philon aufs tiefste erfaßt, da sie sich sowohl mit dem' naturgegebenen Boden seiner Mutterreligion zu verwurzeln, wie mit seinen Bildungserleb;־ nissen zu verwachsen weiß; sie ist die ,,aktive Ursache“, der Demiurg ■seines philosophischen Schaffens, soweit von einem solchen geredet werden darf; die Ideen eines Platon und Poseidonios sind seine• loyoi 07repju<mxot, der stoische Materialismus und vollends die LXX ist ihm nur 3/ןל. Und nicht nur in dem Sinn, den er dem Schriftwort gibt, sondern auch' in dem Mittel, das er zu seiner Umdeutung wählt, der Allegoristik, zeigt sich dieser letzte Urdrang seines Wesens: das Sehnen, hinter dem Körperlichen, dem Auge Faßbaren, ein unergründliches Geheimnis zu verehren, dessen Schleier nur der Gläubige mit zögernder Hand zu• lüften vermag1). 1J Natürlich kann gar kein Zweifel sein, daß Philon die alle־ gorische Schriftauslegung aus der Stoa übernahm: darin hat z. B. Staehlin-Christ, Litgesch. 6 655, 3‘, gegen Treitel, Phiionische Studien 114 ff., recht. Eine ganz andere Frage aber ist, was ihn veranlaßt hat, trotz des Einspruchs sowohl jüdischer Kreise wie der Mittelstoiker an ihr festzuhalten und was ihm die Methode bedeutet. Leisegang scheint mir S. 161 über die Eigenart der phiionischen Allegorese billiger zu urteilen als S. 85, wo ihm die Allegorie nur als ,,allbereites Auskunftsmittel“ erscheint. Meine eigene Anschauung gründet sich teils darauf, daß sich Philon in den allegorischen Schriften genau so viel^Mühe gibt, Schwierigkeiten, die den Wortsinn aus-