Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 64 (1920)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Philons Lehre vom Heiligen Geist und der intuitiven Erkenntnis
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 120 (sequence 20)
- Language
- German
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120 Phiions Lehre vom Heiligen Geist und der intuitiven Erkenntnis. geringerem Grade wirkende Autoritäten anknüpft. .Und erst wenn die Richtung erkannt ist, in welcher Philon das stoische Denken weiterentwickelt, wird man über die Motive, die ' für ihn maßgebend sind, richtig urteilen können. Was Philon die bedingungslose Hingabe an das stoische System unmöglich macht, ist nicht jüdische Ueberlieferung oder der Buchstabe der LXX. Wäre sein ganzes Bestreben darauf gerichtet, eine Brücke zwischen dem Bibelwort und der griechischen Kultur zu schlagen, so hätte er sich dies Ziel durch jene Spiritualisierungweit mehr erschwert als erleichtert. Mit vollem Recht hebt Leisegang S. 90 hervor, daß der schlichte Wortlaut der biblischen Erzählung, nach der Gott dem Menschen den Lebensodem einhaucht, viel besser zur gemeingriechisehen Vorstellung gepaßt hätte, als Phiions künstliche: Deutung, Gott habe dem bereits belebten Menschen die höchsten Geistesgaben als Funktionen des ,,wahren" Lebens eingegeben. Ganz Analoges gilt natürlich von der Ekstase, von der mindestens die Bücher Mosis, an die sich Philon hält, nichts wissen, und ganz gewiß auch von dem asketisehen Zug der Ethik, der der Bibel ebenso fremd ist wie ihren kongenialen jüdischen Erklären!. So ist denn weder die Weiterbildung der stoischen Philosophie,. wie sie Philon vollzieht, durch das Bibelwort gefordert, noch die Umdeutung der Bibel an den bezeichneten, sehr bedeutungsvollen Punkten durch die griechische Kultur. Jene Brücke zwischen beiden hätte sich auf ,,niederen" Stufen, bei einer naiveren, dem ,,gesunden Menschenverstände" weiter entgegenkommenden Auffassung beider Kulturelemente, leichter schlagen lassen, als in den Höhen idealistischer Spekulation. In Wahrheit hat die Spiritualisierung des. stoischen Materialismus bereits im reinen Hellenentum, also völlig unabhängig von Phiions Versuch einer Synthese mit dem Judentum, begonnen. Aber ihr parallel geht ein durchaus verwandter. Umbildungsprozeß im genuinen Judentum,