Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 64 (1920)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Philons Lehre vom Heiligen Geist und der intuitiven Erkenntnis
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 119 (sequence 19)
- Language
- German
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Phiions Lehre vom Heiligen Geist und der intuitiven Erkenntnis. 119. Religiosität werden die Rang ־unterschiede des Geistigen und des nicht vom Geist Beherrschten, wie auch die ältere Stoa sie in voller Schroffheit annahm, zu Wesensunterschieden: er enthebt den Nus aus der befleckenden Gemeinschaft mit dem Körperlichen und setzt ihm Ziele, an deren Schau die Sinne in der Episode des diesseitigen Lebens ihn nur hindern können. Philon treibt die Spintualisierung einen Schritt weiter. Auch er merzt die monistisehen Elemente nicht aus; dazu hätte er Philosoph sein müssen; und er will ja gar nicht Philosophie treiben, sondern sie nur religiös-erbaulich verwerten1): eine Aufgabe, die natürlich wissenschaftlich erheblich niedriger steht, aber menschlich ebenso berechtigt ist, wie diejenige des Gelehrten. Aber dieser seiner Lebensaufgabe dienen nur die Bestandteile seines Systems, die er im Anschluß an die Mystik und den philosophischen Idealismus übernahm: der Glaube an eine Ueberwelt, die bald als Reich körperloser Ideen, bald als die Welt der — wenn nicht immateriellen, so doch der Erdenschwere ledigen — supralunaren Sphären erscheint, — an den Geist, der sich ohne Beihilfe des Körpers zu jenen Sphären emporhebt und den rein geistigen Gott nicht nur aus seinem ,,Schatten“ in der Körperwelt, sondern in unmittelbarer Schau, ״wie spricht ein. Geist zum andern Geist“, zu erfassen sucht. Die materialistischen Elemente, die er aus Mangel an Selbständigkeit weiterschleppt, sind für sein Denken ohne Bedeutung. Es wäre ebenso leicht wie lohnend zu erweisen, daß Philon dieselbe ״Spiritualisierung“, wie auf den Gebieten der ״Logik“ und ״Physik“ (stoisch gesprochen), auch in der Ethik im Anschluß an Poseidonios und über ihn hinausgehend vollzieht; auch hier ließe sich zeigen, daß der Umbildungsprozeß an bestimmte, bereits auf Poseidonios in ג) Aehnlich stehen, die Männer der Diatribe neben den Wissenschaftlern von Fach, aber auch etwa Plutarch neben Thukydides.