Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 64 (1920)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Philons Lehre vom Heiligen Geist und der intuitiven Erkenntnis
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 118 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2829132-2829897-2829900-2895122--43938-2895176- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Cicero 1× ep/1024888
- Homer 1× ep/1025156
OCR text
118 Phiions Lehre vom Heiligen Geist und der intuitiven Erkenntnis. gekommen sei.* 1) Da dem Weisheitslehrer sein Protest gegen Mythen und Mysterien (14, 23) nichts geholfen zu haben scheint, so werden wir darauf aufmerksam machen müssen, daß er jene Personifikation der Weisheit in zwei sehr legitimen Quellen fand: in der Einleitung zu dem biblischen Spruchbuch und in den weit verbreiteten Darstellungen des ihm bekannten (8, 2 ff.) Mythos vom Herakles am Scheidewege, wie denn z. B. auch Cicero im Hortensius die Weisheit mit ihren Trabantinnen, den Tugenden, redend einführte. Wir haben Phiions Verhältnis zur alten und mittleren Stoa von zwei Seiten beleuchtet; und was wir bezüglich seiner Erkenntnislehre und seiner Ontologie feststellen konnten, fügt sich durchaus zu einem einheitlichen Bilde zusammen. — Die alte Stoa sucht nach Möglichkeit an das Weltbild des gemeinen Mannes ־— nichts anderes bedeuten, ihre zotvdt hvotai — anzuknüpfen: sie kennt nur Körper, nur sinnliche Erkenntnis. Auch Poseidonios vermag mit ihrem Monismus nicht zu brechen, der gleich folgerichtig den Materialismus wie den Sensualismus forderte; aber seiner x) Ich halte es auch nicht für ganz unbedenklich, wenn L. 32 schreibt, Philon habe die Gottheit und den Logos häufig dem Lichte ,,gleichgestellt“ und in diesem Zusammenhänge an die syrische Lehre von den außerweltlichen Lichtgöttern erinnert. Auch Keller mann (Die Kämpfe Gottes von Lewi ben Geison, II, 58, 1) redet schwerlich mit Recht von einer ,,Lichtapotheose“ bei Philon. Wenn Homer den Telemachos ■׳fXoxepciv cpccoq nennt, die Bibel von ,,Licht und Freude für die Juden“ redet, so sind solche Vergleiche zur Veranschaulichung von etwas Holdem, Liebem keine Gleichste!- 1 u n g e n; und so wenig zu bestreiten ist, daß Philon mit seiner Lehre von untergeordneten Sterngöttern dem Heidentum ein ebenso starkes wie bedenkliches Zugeständnis macht, so rein scheint er doch seinen Begriff der obersten Gottheit von astraler Beeinflussung zu halten. Die Gleichstellung Jesu mit dem Licht, auf die er von Einfluß gewesen sein könnte (Doelger, •Liturgiegeschichtliche Forschungen, IV, Sol salutis, 109 ff.), und die mittelalterlich-jüdische Schechina- Spekulation (Kellermann a. a. 0.) stehen auf anderem Blatt.