Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 64 (1920)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Philons Lehre vom Heiligen Geist und der intuitiven Erkenntnis
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 117 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2829132-2829897-2829900-2895122--43937-2895175- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Phiions Lehre vom Heiligen Geist und der intuitiven Erkenntnis. 117 zu •zeichnen. Der älteren Stoa wird die materialistische Gottesanffassung nicht zum Problem. Poseidonios setzt neue, ihrem Wesen nach spiritualistische Größen mystischplatonischer Herkunft neben das Pneuma, ohne aber seinen materialistischen Charakter und seinen Zusammenhang mit der Gottheit zu bestreiten. Philon geht unter platonischem Einfluß noch weiter in der Spiritualisierung des Pneuma und hebt seine Identifizierung mit der Gottheit auf. Letzteres tut er aller Wahrscheinlichkeit nach unbewußt. Die oben erwähnte Feststellung Leisegangs würde ihn wohl ebenso überrascht haben, wie seine Darsteller. Denn was ihn-über die Stoa hinaustreibt, ist nicht der Glaube an bestimmte, klar umrissene jüdische Lehren, deren Unvereinbarkeit mit den stoischen er begriffen hätte. Es ist die Scheu des religiösen Menschen, seinen Gott auch durch den Vergleich mit Stofflichem herabzuziehen, — eine Scheu, die, in letzten Tiefen des Gemüts verankert, ihren Zoll fordert von der bewußten Spekulation. Im Zusammenhang mit Phiions Lehre von Pneuma und Weisheit bespricht L. 69 ff. das Verhältnis beider in der Weisheit Salomos.• Es gelingt ihm, zu zeigen, daß auch hier die höhere Erkenntnis an das Pneuma gebunden ist und daß der Ausdruck ,,Pneuma der Weisheit“, den der Verfasser gebraucht zu haben scheint, nicht als ungriechisch zu bezeichnen ist. Seine Darlegungen werden vielleicht erst voll gewürdigt werden können, wenn das quellenkritische Verhältnis zwischen dieser Schrift und Philon genauer bezeichnet sein wird, als einstweilen geschehen ist. Sehr befremdlich nimmt es sich aber inmitten seiner sonst durchaus besonnenen Beweisgänge aus, wenn sich ihm die personifizierte Weisheit als ,,Göttermutter“, ja, als ,,Gemahlin Jhw.s entpuppt“, zu deren Schöpfung der Jude nicht aus dem Geiste seiner Religion (L. weiß natürlich, daß das Hebräische für Göttin kein Wort besitzt), sondern durch griechische und uralte orientalische Spekulationen