Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 64 (1920)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Philons Lehre vom Heiligen Geist und der intuitiven Erkenntnis
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 115 (sequence 15)
- Language
- German
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/ Phiions Lehre vom Heiligen Geist und der intuitiven Erkenntnis115 ״ schränkt sich Platons Einfluß nur auf ganz bestimmte Gebiete seines Denkens; und er kann hier, wo nicht Phiions Theologie, sondern nur seine Lehre vom Pneuma, also einem von Haus aus stoischen Begriff, zur Erörterung steht, nicht voll beleuchtet werden. Aber der Nachweis Jakob Horovitz’ in seiner von Leisegang mehrfach erwähnten Arbeit über ״Platons und Phiions Lehre von der Weltschöpfungf‘ (1900), daß Phiions Schrift De opificio sehr wesentlich unter dem unmittelbarenEinfluß des platonischenTimaios steht, wird durch die neuere Forschung über sein Verhältnis zur Mittelstoa in keiner Weise berührt. Und auch Platons Einwirkung schätzt man erst dann richtig ein, wenn man nicht fragt, was der Philosoph selbst unter dem Demiurgen gedacht hat, sondern vor allem, was sein jüdischer Schüler sich bei den Bildern des platonischen Dialoges denken mußte1). Erst dann wird deutlich, daß die Gleichsetzung der beiden — von Poseidonios wohl nur als verwandt empfundenen (Sext. Emp.Adv. math. IX, 105 ff.) ־— Gottesbegriffe Zenons und Platons tatsächlich nahezu eine Verdrängung des ersteren durch den — unbildlich verstandenen — letzteren bedeutete, Philon also völlig aus der stoischen Metaphysik hinausdrängte, über deren Kreis Poseidonios, wenn man das Bild gestatten will, schon mit einem Fuße herausgeschritten war. Trotzdem geht man zu weit, wenn man Philon geradezu als Platoniker hat ansprechen wollen. Auch der starke Ein- Guß, den er dem Timaios und dessen Lehre von der ״intelligiblen Welt“ gewährte, hat keineswegs nur philosophische Motive, sondern entspringt mindestens ebensosehr dem Umstande, daß der biblische Doppelbericht über die Schöpfung (wie man ihn cum grano salis nennen mag) an den platonischen erinnern mußte, also einem zufälligen exegotischen Zwang: im allgemeinen scheidet er nach Poseidonios die Welt über und unter dem Monde, nicht die der Ideen ף Vgl. Jakob Korovitz a. a. O. 59 ff. 8!