Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 64 (1920)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Philons Lehre vom Heiligen Geist und der intuitiven Erkenntnis
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 114 (sequence 14)
- Language
- German
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114 Philons Lehre vom Heiligen Geist und der intuitiven Erkenntnis. samen Wahrheitskem tatsächlich übereinzustimmen. Aber, was er auch gemeint haben mag: sicher mußte ein von der Bibel kommender Jude jene Vergleiche bis zu Ende durch־ führen und, wie etwa Philon De spec. leg. I, 13 ff., in dem ,,Großkönig der Welt“, den der Stoiker schilderte, den biblischen Weltregenten wiederzufinden glauben. Und genau so steht es mit jenen Stellen, an welchen Poseidonios von einem ,,nur dem geistigen Auge sichtbaren Gotte“ sprach — Stellen, die sogar moderne Philologen verleiten konnten, ihm eine spiritualistische Gottesauffassung zuzuschreiben1). Dazu aber kam, daß Poseidonios seiner Art nach vielfach auch Ansichten anführte und eingehend besprach, die keines־ wegs die seinen waren, insbesondere, was uns hier angeht, solche, die dem Pantheismus erheblich ferner standen als seine eigenen, die dann aber natürlich auf die Leser nicht minder wirken konnten, als die von ihm gebilligten. Wie- Philon aus dem Kommentar des Stoikers zum platonischen Timaios unzweifelhaft seine Vertrautheit mit der pytha־ goreischen Zahlenspekulation schöpft, dieser aber eine viel größere Bedeutung beimißt, als. m. E. der Vermittler selbst, so wurde er durch die gleiche Schrift mit der platoni־ sehen Lehre vom Demiurgen in sympathischer Weise vertraut gemacht. Aber natürlich darf der gelungene Nachweis der Abhängigkeit des Alexandriners von der mittelstoischen Schrift nicht zu der sonderbaren Meinung verführen, Philon könne den ״göttlichen“ Platon, wie er ihn nennt, nur aus zweiter Hand gekannt haben2). Gewiß bex) Vgl. M. Apelt, Comm. Jen. VIII, 139 ff.; dagegen Pohlenz, BerL phiL Woch. 1909, 938. 2) Zutreffend H. Meyer, Die Lehre von den Keimkräften, 1914, 30, 2. Die Konsequenz jener Anschauung wäre, daß Philon, weil sicher schon seine Vorläufer Poseidonios gekannt haben, diesen selbst nicht benutzt habe; und diese neuerdings von einem um Philon verdienten Theologen geäußerte־ Meinung (Bousset, Jüd.- christlicher Schulbetrieb 14) wird wohl niemand teilen wollen, der zur Vergleichung des Stils beider Schriftsteller in der Lage ist.