Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 64 (1920)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Philons Lehre vom Heiligen Geist und der intuitiven Erkenntnis
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 112 (sequence 12)
- Language
- German
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112 Phiions Lehre vom Heiligen Geist und der intuitiven Erkenntnis, Lebens, d. h. der sittlich religiösen Lebenswerte, hineinfahren' läßt (L. 81 ff.), so ist natürlich damit dem platonisch-aristotelischen Geistbegriff Aufnahme gewährt, dessen Unterschied von dem materialistisch-monistischen der Stoa Leisegang 82 oben richtig bezeichnet. Aber nicht nur in der Verquickung dieser verschiedenen psychologischen Grundanschauungen1) war Poseidonios vorangegangen; nicht nur die sonderbare Schachtelung von Seele in Seele entspricht seiner Darstellung von der Beziehung des spezifisch. Mensch״ liehen zum allgemein Animalischen :ja, wenn Philon zum Träger der höchsten intuitiven Erkenntnis nicht den Nus, sondern das von Gott eingehauchte Pneuma macht, so liegt das keinesweges nur daran, daß ihm die LXX ,,an der entscheidenden Stelle (Gen. 2, '7) das unglückselige Wort Ttveu/ua hinwarf“ (L. 81); vielmehr hat allem Anschein nach Poseidonios die Begriffe Nus und Pneuma ziemlich unterschiedslos gebraucht2) und sehr wahrscheinlich auch das Seelische, das den ,,Erdgeborenen“, wie er die ersten Menschen nannte, ihre Menschenwürde gab, bald mehr materialistisch, bald mehr spiritualistisch formuliert3). Und ף Ueber die Beziehungen der mittelstoischen Psychologie zu Aristoteles vgl. L. 83, 1. Von ihrer Rezeption der platonischen Einteilung der Seelenteile (oder, wie Poseidonios manchmal lieber sagt, Seelen vermögen) war bereits die Rede. 2). Vgl. die genau aus Poseidonios übersetzte Stelle Verg. Aen. VI, 724 ff.: Principio caelum ac terram . . . Spiritus intus alit, totamque infusa per artus mens agitat molem. — Mindestens unter dem Einfluß seiner Terminologie steht Sen. Ep. 50, 6: Quid est aliud a n i m u s quam quodammodo se habens Spiritus? Im 113. Brief, wo § 28 Poseidonios als Quelle genannt ist, kann man zweifeln, ob § ל (idem animus in varias figuras convertitur) animus (mit Bonhöffer, Epiktet und die Stoa 92) für vouq oder dem vorhergebenden entsprechend (iustitia animus quodammodo se habens) für ׳jevsu^a steht: so nahe kommen sich beide Begriffe. a) Einerseits spricht der merkwürdige Ausdruck Senecas Ep. 90, 44 fuisse alti Spiritus viros et ut ita dicam a dis recentes doch wohl dafür, daß Phiions Schilderung des ersten Menschen (Op.