Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 64 (1920)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Philons Lehre vom Heiligen Geist und der intuitiven Erkenntnis
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 110 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2829132-2829897-2829900-2895122--43930-2895168- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
110 Phiions Lehre vom Heiligen Geist und der intuitiven Erkenntnis. Zügen1). Schroff scheidet er (natürlich im Anschluß an die Mystik und Platon) den Logos, den Absenker der Gottheit, — den Daimon, wie er ihn gern nennt — von den niederen, tierischen Seelenvermögen, die den Daimon herabziehen, ihn um seine Befriedigung, uns um unsere ״Eudaimonie" bringen: so erscheinen die aus dem bloßen Pneuma stammenden Funktionen nicht als Vorstufen, sondern als Feinde des wahrhaft Göttlichen, ihre Bändigung unter das Gebot des Logos als Ziel des Lebens. Und der Mensch ist auch hier nur eine Welt im kleinen: auch im Kosmos scheiden sich die befleckten sublunaren Regionen von den reinen Sphären über dem Mond, den ,,Gefilden hoher Ahnen", zu denen der Geist aus Erdendust und Grabeshaft des Körpers emporstrebt. So wird denn Poseidonios zum Zerstörer des altstoischen Weltbildes — aus dem Geist der altstoischen Ethik; denn das, was man mit vollem Recht den ״Spiritualismus" der älteren Stoa2) genannt hat, der Glaube an den schroffen und unbedingten Rangunterschied zwischen Weisheit und Torheit, dem vom Geist beherrschten und dem seiner spottenden Reich, verträgt sich nicht auf die Dauer mit dem Glauben an die volle Wesenseinheit aller Dinge, an die Vergöttlichung des bloßen Lebens. Aber zu voller Einheit vermag auch er den Monismus der Metaphysik und den Dualismus der Ethik nicht zu runden; der ,,Gott als denkbegabtes, feuriges Pneuma, gestaltlos, aber in jede Gestalt eingehend", wie er ihn im Anfang der genannten Schrift ״Ueber die Götter״״ definierte, ist für seine Ethik fast bedeutungslos. ג) Danach könnte es nicht verwundern, wenn die ganz unstoische Scheidung von <&uglc und rcpdvoia Strab-.XVII 1, 36 aus ihm stammte; und ich halte das für wahrscheinlich. 2) H. von Arnim, Die stoische Lehre von Fatum und Willensfreiheit, Vortrag in der Wiener philos. Gesellschaft, Leipzig (Barth) 1905, 6 f.