Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 64 (1920)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Philons Lehre vom Heiligen Geist und der intuitiven Erkenntnis
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 108 (sequence 8)
- Language
- German
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108 Phiions Lehre vom Heiligen Geist und der intuitiven Erkenntnis. die besondere Färbung seines Erlebens forderte, einen Schritt über ihn hinauszugehen. Das Pnenma der alten Stoa war körperlich, unpersönlich, der Welt in allen ihren Teilen immanent. Von hier aus scheint zu dem rein geistigen, persönlichen Gotte der Bibel, der das Gute fordert und das Böse verwirft, kein Weg zu führen. Tatsächlich aber haben sich bereits im griechischen Denken, schon bei maßgebenden Vorgängern der Stoa und erst recht im Laufe der Entwicklung der Schule, Tendenzen nach einer Erweichung des Pantheismus geltend gemacht, die für Phiions Umbildungsversuch von großer Bedeutung werden mußten. 1. Zweifellos ist das Pnenma der Stoiker ein Körper: denn nur Körperliches kann nach ihnen wirken, wahrhaft existieren. Wollte man Pneuma mit Gas übersetzen, so würde man dem Inhalt des Begriffes vollkommen gerecht, der Gefühlsresonanz aber nicht im mindesten. Häckels blasphemische Witzelei über den ,,gasförmigen Gott“ beruht doch auf der Voraussetzung, die unser Sprachempfinden zweifellos macht, •daß zwischen Stoff und Stoff ein Rangunterschied nicht besteht: das ,,Gas“ ist uns um nichts vornehmer als der Staub. Wohl aber besteht ein solcher־ Unterschied für den Griechen zwischen den — dem Raum wie dem Range nach — ״niederen“ Elementen Erde und Wasser und den ״höheren“: Feuer״ Luft, Aether. :Und gerade die Stoa mußte ihn betonen, eben weil sie alles, selbst die Tugenden (!), als ,*Körper“ gelten ließ, um ihre Grundanschauung, die Lehre von der Einheitlichkeit der Welt, festhalten zu können. So verlegte sie denn Rangunterschiede, wie sie dualistische Denker zwischen Geistigem und Körperlichem aufstellen, innerhalb des Körperlichen selbst und hebt die ״feineren“ Substanzen über die gröberen derart empor, daß zwar keine volle Entkörperlichung, aber doch eine wesentliche Vergeistigung stattfindet. In sehr verdienstlicher Weise weiß L. 47 ff. zu zeigen, inwieweit sie dabei