Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 64 (1920)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Philons Lehre vom Heiligen Geist und der intuitiven Erkenntnis
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 106 (sequence 6)
- Language
- German
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106 Phiions Lehre vom Heiligen Geist und der intuitiven Erkenntnis. der Pantheismus der Stoa dazu, daß man von einem absoluten Pneuma ohne gen. poss. redete (auch Philon tut das), während רוח oder הר1ח (im Sinne von Geist) nur in der Weise absolut gebraucht werden kann, daß man Gott als den, von dem der Geist ausgeht, hinzudenkt. So arbeitet Philon denn auch hier, wie in der Erkenntnistheorie, durchaus mit griechischem Material; das kann für niemanden, der ihn sowohl mit Griechen wie mit geistesverwandten Juden vergleicht, einem Zweifel unterliegen. Und doch liegt ein berechtigtes Moment in den Bedenken neuerer Philologen, Phiions Lebensanschauung ohne weiteres als hellenistisch anzusehen. Mögen hier und da bewußt oder unbewußt Vorurteile mitsprechen; denen wahre Wissenschaftlichkeit nicht scharf genug entgegentreten kann, — die Empfindung ist unzweifelhaft richtig, daß ein Denker, der an die Wahrheit und den Kulturwert des Judentums glaubt, in seinem Weltbild und seiner Lebensanschauung notwendig von diesem — bewußt von ihm festgehaltenen — Väter-. erbe beeinflußt sein muß. Nur liegt dieser Einfluß nicht, wie etwa Eduard Schwartz geglaubt hat, darin, daß zahlreiche Bausteine seines Systems aus jüdischer Spekulation, fertig zurechtgehauen, von ihm übernommen worden seien, um durch ein paar Querriegel griechischer Herkunft ‘ zu notdürftiger Einheit verbunden zu werden. Der Zurück- Weisung dieser grundfalschen Vorstellung durch Leopold Cohn* 1) haben wir nichts hinzuzufügen. Wohl aber ließe sich fragen, ob nicht die jüdisch beeinflußte Lebensanschauung, die dem Denker im Blute liegt, ihn bei der A u s w a hl der griechischen Bausteine und ihrer gelegentlichen Bearbeitung geleitet hat. Wer in philosophischen Systemen nur das Ergebnis bewußter, klarer Denktätigkeit sieht, und schwer würde ein solcher — über die bisherigen verdienstlichen Untersuchungen etwas hinausgehender — Nachweis nicht fallen. 1) In ״JTudaica“, Festschrift für H. Cohen, 1910, 303 ff.