Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 64 (1920)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Philons Lehre vom Heiligen Geist und der intuitiven Erkenntnis
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 105 (sequence 5)
- Language
- German
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Phiions Lehre vom Heiligen Geist und der intuitiven Erkenntnis. L05 brauch von Ttveufia in keiner Weise den Einfluß des etwas verschiedenen hebräischen Terminus verrät. Bestimmter läßt sich vielleicht der Unterschied beider Ausdrücke auf den für uns vorwiegend wichtigen Stufen beider Sprachen dahin bezeichnen, daß bei kveü/ia, wenigstens im philosophischen Gebrauch, vorwiegend an das bewegt oder gespannt vorgestellte Substrat gedacht ist, bei רוח dagegen, auch im, späten Sprachgebrauch, an die ohne sichtbares Substrat spürbare Bewegung, Daher tritt TlT\' als Wind neben den• ,,Schatten“ als Sinnbild menschlicher Nichtigkeit; ,,Haschen nach Wind“ ist für Koheleth größte Torheit, während etwa der Mittelstoa die Sehnsucht nach Vereinigung mit dem Pneuma der Welt unser höchstes Lebensziel darstellt. Damit hängt es aber auch zusammen, daß die Verengerung des ,,Geist“begriffes, der ursprünglich1) hüben und drüben den Träger des animalischen und des gesamten psychischen Lebens bezeichnet, sich in ganz verschiedenen Bahnen vollzieht; für die Hellenisten wird Pneuma zum Träger der reinen Erkenntnis, wenn nicht zur Erkenntnis, selbst, also mit dem höchsten der drei platonischen Seelenteile gleichgesetzt, während ein Kenner des biblischen Sprachgebrauchs wie Saadja (9./10. Jahrhundert) mit נשמה das Denken, mit רוח den ttüfioc, mit נפש das ■a7ud-ü[jL7]Ttx()v bezeichnet denkt und gerade für diese Unter- Scheidung viel Nachfolge gefunden hat2). Endlich führte 1j Doch scheint דוח im Gegensatz zu נפש bereits von Haus aus eher diestürmischen Seelenregungen zu bezeichnen: Lichtenstein, Das Wort נפש in der Bibel, Berlin 1920, 28. 2) Emunoth wedeoth 195 Land.; weiteres bei Bacher, Die Bibelexegese der jüdischen Religionsphilosophen vor Maimuni, 26 f. Ueber die Nachwirkung dieser Unterscheidung (im Gegensatz zu dem geringen Einfluß der Psychologie Saadjas) handelt S. Horovitz, Bresl. Sem.-Progr. 1897, 75. Der Gegensatz zwischen Saadja und dem angeblichen ,,Rabbi“ Philon erschiene noch lehrreicher, wenn sich beweisen ließe, daß auch Saadjas Psychologie von ganz verwandten mittelstoischen Quellen abhängt, wie diejenige des Alexandriners;