Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 64 (1920)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Philons Lehre vom Heiligen Geist und der intuitiven Erkenntnis
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 102 (sequence 2)
- Language
- German
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102 Phiions Lehre vom Heiligen Geist und der intuitiven Erkenntnis. Denn wie stark Philon wieder unter dem Einfluß des großen Naturphi] osophen steht, zeigt bereits die Untersuchung über die Arten des Pneuma, die L. 22 ff. anstellt. Nach Phiions Angabe in der wichtigen (demnächst in L.s Uebersetzung im IV. Bande des deutschen Philon erscheinenden) Schrift Ueber die Giganten, § 22 ff.1), bedeutet Pneuma erstens die Luft, das dritte Element; zweitens die lautere Erkenntnis als kosmische, auch im Menschen wirksame Kraft. Diese. Unterscheidung, die bereits in sehr interessanter Weise eine materialistische Auffassung der 'Substanz und eine spiritualistische Bestimmung der Funktion nebeneinander gelten läßt, kann natürlich schon aus methodischen Gründen nicht aus jüdischen Quellen stammen: nie hat sich, die jüdische Spekulation vor der offensichtlichen Einwirkung des Hellenismus mit der Frage nach dem Wesen des ,,Geistes“ befaßt; das Propheten wort ,תקן את ר1ח ה *,fc gilt auch in diesem ־ Sinn. Keine Stelle eines griechischen Schriftstellers kommt nun aber der phiionischen so nahe, wie die von Leisegang S.42 angeführte aus der unter Aristoteles Namen gehenden Schrift Von der Welt (394a, 8 ff.): ,,(Die bewegte Luft) wird auch Pneuma genannt; in anderem Sinne heißt Pneuma auch die in Pflanzen und Tieren vorhandene, alles durchwaltende, beseelte und Leben schaffende Substanz“. Die Uebereinstimmung ist namentlich dann sehr erheblich, wenn bedacht wird, daß zwischen dem Pneuma als Träger des Lebens und als Substanz der Denktätigkeit, wie sich bald ergeben wird, ein wesentlicher Unterschied nicht besteht. Nun. aber haben neuere Untersuchungen, namentlich die mehrfach von Leisegang angeführten Studien W. Capelles, keinen Zweifel darüber gelassen, daß diese Schrift unter dem Namen des Aristoteles Anschauungen des Poseidonios wiedergibt, nur hier und da leicht peri- ף Vgl. auch Quaest. in Gon. I. § 90 (L. 95, 1).