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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1920-01-01 · Heft 2 · p. Seite 98

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
64 (1920)
Issue
Heft 2
Article
Die beiden Moses
Date
1920-01-01
Page
Seite 98 (sequence 18)
Language
German
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98 Die beiden Moses. die Jahrhunderte hinaus. Moses Maimonides trägt den Namen des großen Moses nicht äußerlich nur, er fühlt gleichsam die innere Verpflichtung, welche er als Träger eines solchen Namens übernommen hatte« Ihm, soweit es der Abstand erlaubte, in der dreifachen Meisterschaft der Religion, der Weisheit und der Sittlichkeit nahezukommen, mußte Maimonides als Hochziel seines Lebens erscheinen, und da alle Weisheit so wie die Vernunft selber ihm nur das Band zwischen Mensch und Gott bedeutet1) und Gotteserkenn tnis und Gottes liebe darum für ihn eng zusammenxücken, so schiebt er in den Mittelpunkt des praktischen, religiös-sittlichen Lebens gerade diejenigen Tugenden, die einst Moses in ganz besonderem Maße auszeichneten: die Demut und die Gerechtigkeit2). Moses war trotz des Besitzes der vollkommensten, geistigen und sittlichen Eigenschaften nicht bloß demütig, sondern nach den Worten der Heiligen Schrift s e h r demütig; darum gibt es. auch für den, der seinem Vorbilde nachstrebt, in dieser Eigenschaft kein aristotelisches Mittelmaß, sondern nur völlige Aneignung3). Und wer Gerechtigkeitsgefühl, wie Moses einst besitzt, betritt damit die erste Stufe der Prophetie. Es war so stark in jenem, daß es ihn nicht allein antrieb, den Ägypter zu erschlagen, sondern daß er selbst nachher, als er voller Angst nach Midjan floh und dort als Fremder in Ängsten sich aufhielt, sich nicht zurückhalten konnte, wenn er irgend eine Ungerechtigkeit sah4). Freilich, auch Moses war ein Mensch. Es gab Zeiten, in denen er ף Das. III, Kap. 52. 2) Vgl. Cohen, Charakt. der Ethik Maimunis im Sammelwerk Moses b. Maimon, sein Leben, seine Werke und sein Einfluß, I, Leipzig 1908, S. 114 u. 120, sowie Guttmann, Beziehungen usw. das, II, Leipzig 1914, S. 239. 3) Kommentar zu Pirke Aboth, Abschn. IV, 4 und Mischneh Thorah, Hilchoth Deoth, Abschn. 2. 4) M. N. II, Kap. 45.

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