Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 64 (1920)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die beiden Moses
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 94 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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94 Die beiden Moses. liehen, sondern auch des mündlichen Gesetzes anzusehen. Die Thora selber stammt ganz von Moses vom ersten bis zum letzten Buchstaben1), sogar die letzten acht Verse, in denen von Moses Tod berichtet wird, rühren von ihm aus göttlicher Eingebung her, wenn sie auch ihrem Inhalt nach von dem, was erst nach Moses Tode war, erzählen und sich dadurch von der übrigen Thora unterscheiden2). Im achten seiner Grundsätze3) unterstreicht Maimonides noch viel schärfer als Glaubenssatz des Judentums, daß die ganze Thora von Gott dem Moses übergeben und von diesem wie nach Diktat niedergeschrieben worden sei. Wer auch nur einen einzigen Satz, einerlei, ob es sich um nebensächliche Namen oder um die wichtigsten Grundlehren handelt, in seinem göttlichen Ursprung leugnet, ja ihn nur Moses selber als Autor zuschreibt, gilt als größter Gottesleugner. Jn der Thora dürfe auch kein Unterschied gemacht werden zwischen Kern und Schale, alles in ihr ist göttlich, nicht bloß mosaisch. Selbst die sichtbaren Gegenstände, von denen sie berichtet, sind Moses in ihrem Urbild durch Gott aufgezeigt worden. Auch die Vernunftwahrheiten, die in der Thora enthalten sind, werden als göttlich, geoffenbart darin dargestellt und nicht etwa philosophisch entwickelt4). Ja, jedes Wort in ihr ist so voller Weisheit und Wunder, daß auch die Erläuterungen dazu nur von Gott• selber herrühren konnten5). Die heilige Schrift ist darum kein Buch, das man begreift, wenn man es etwa in Stunden durchfliegt, die von Trunk und Liebe übrig sind, wie man viel- 1j Einleitung zum Mischnahkommentar ־von Seder Seraim. 2) Mischneh Thorah I, Hilchoth Tefillah, Abschn. 13. Die gottesdienstliche Erleichterung, die Maimonides für diese acht Verse gestattet, daß ihre Verlesung kein Minjan erfordert, wird von Abraham ben David entrüstet abgewiesen. 3) Kommentar zur Mischnah Sanhedrin - Kap. 10. Vgl. auch Kobez Teschuboth a. a. O. II, Bl. 15 f. 4) M. N. III, Kap. 54. 5) Achter Grundsatz a. a. O.