Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1920-01-01 · Heft 2 · p. Seite 91

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
64 (1920)
Issue
Heft 2
Article
Die beiden Moses
Date
1920-01-01
Page
Seite 91 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2829132-2829897-2829900-2895121--43910-2895149
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Die beiden Moses. 91 Wesens unmöglich sei1). In tiefer Scheu und Zurückhaltung schreitet darum Moses selber nur langsam und stufenweise in dieser Erkenntnis voran, bis ihm zum Lohne dafür so viel göttliche Ergießung zuteil wird, daß er Gottes Gestalt :selbst erschaut2). Nicht sinnlich natürlich! Es wäre eine Ausgeburt der Phantasie, sich vorzustellen, daß Gottes Stimme, mit der’ er seine Gebote erteilte, der menschlichen gleich Buchstaben und Stimmklang enthalten habe3). Wenn die Propheten Gottes Stimme vernahmen, so geschah dies entweder in der Vision oder ihr Schauen und Hören ,galt wirklichen, irdischen Erscheinungen4). Auch am Sinai vernahm das Volk nur ein einziges Mal, nämlich während der Verkündigung der beiden ersten Gebote, einen allgemeinen Stimmenhall, von dem es nichts begriff. Moses allein verstand ihn aus seiner tiefen Erfassung des göttlichen Wesens heraus und übermittelte dem Volke den Sinn dieser ersten und den Wortlaut der folgenden Gebote, von denen die anderen überhaupt nichts mehr gehört hatten5). So erweist, denn das Auftreten des Moses in jener großen Stunde, daß er nicht bloß der Vater der Propheten, sondern auch ein Vater in der Weisheit war. Der Fürst der Weisen6), der Meister der Weisheit, der uns zur Vollkommenheit geführt hat7), weiser als Salomo, der selber schon weiser war als alle Menschen8), so erscheint der erste Moses in den Augen des zweiten auch als unerreichtes Vorbild in jenem geistigen Streben, das letzterem als das höchste gilt, in der Philosophie. Denn 1I Das. III, Kap. 9. 2) Das. I, Kap. 5. 3) Das. II, Kap. 12. 4) Das. I, Kap. 21. 5) Das. II, Kap. 33. 6) Das. 1, Kap. 54. ד) Das. II, Kap. 11. *) Das. III, Kap. 54.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.