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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1920-01-01 · Heft 2 · p. 81

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
64 (1920)
Issue
Heft 2
Article
Die beiden Moses
Date
1920-01-01
Page
81 (sequence 1)
Language
German
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Die beiden Moses. Von Max Freudenthal. Dem Forscher wird es. stets von besonderem Interesse sein, den Beziehungen nachzuspüren, welche zwischen großen Männern in• der Weltgeschichte bestanden, einerlei, ob die Gleichzeitigkeit des Lebens äußere und dadurch verstärkt um so tiefere innere Verknüpfungen bewirkt oder ob über alle dazwischen liegenden Zeiträume hinaus die Geister sich begegnen und aus der Persönlichkeit und Arbeit des Älteren nachhaltigste Wirkungen in die Seele des zeitlich von ihm entfernten J üngeren hinüberströmen‘ Die großen Männer sind dünn gesät adf Erden, und daß ein einziges Jahrhundert eine Mehrzahl von hervorragenden Geistern auf erstehen, gegenseitig. sich persönlich kennen und beeinflussen läßt, ist eine seltene Gunst, welche die Vorsehung der Menschheit gewährt. Um so häufiger zeigt sie die Fern Wirkung genialer Persönlichkeiten auf allen Gebieten des Geisteslebens und des künstlerischen Schaffens. Auch wer weiter baut, knüpft an frühere Meister an, selbst das größte und selbständigste' Genie untersteht bewußt oder unbewußt nicht bloß dem Einfluß der Umgebung und Überlieferung, sondern braucht die Befruchtung. durch andere Geister, auf daß die Samensporen, von denen seine Seele übersät ist, zu leben und zu reifen beginnen. Wer in die verborgenen Tiefen der Genies hineinzuleuchten vermöchte, der würde feststellen können, wie auch sie trotz ihrer überragenden Größe nicht außerhalb, sondern innerhalb der gewaltigen geistigen Entwicklungskette stehen, welche die Menschheit seit ihrer Urzeit umschlingt. Das Geniale also . zu begreifen suchen, heißt noch lange nicht es zerstören, zumal immer noch genügend göttlicher Monatsschrift, 64. Jahrgang. 6

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