Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 63 (1919)
- Issue
- Heft 3
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 374 (sequence 11)
- Language
- German
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874 Besprechungen. den Darstellung desjosephus zufrieden geben, der die alten jüdischen Religionsparteien wie Philosophenschulen hinstellte, Vielmehr prüft er alle die einzelnen Angaben der rabbinischen Quellen über die Differenzen zwischen Sadduzäern und Pharisäern und über die Zusammenstöße zwischen den beiden. Aus der oft verwischten Schrift der Überlieferung sucht er dann ein treues Bild dieser alten und verschollenen Welt zu gewinnen. Hier erfreuen uns glückliehe Ideen und Deutungen. Als solche möchten wir die neue, jedenfalls geistreiche, vielleicht auch richtige Erklärung der dunklen Misch na Jädajim IV, 7 anführen. Hier übersetzt Leszynsky גצוק nicht, wie man es bisher immer tat, mit »Strahl«, sondern mit »Bienenhonig.« Für diese Auffassung bringt er starke und einleuchtende Gründe, und. vielleicht hat er für ein Rätsel, daß uns die Mischna äufgibt, damit die Lösung gefunden. Die eigentlichen Geschichtswerke aus jener Zeit lehnt er als Quellen ab, sowohl den Josephus, als auch geschichtliche Angaben im rabbinischen Schrifttum, die berühmte Stelle in den Aboth de״Rabbi Nathan, die den Ursprung der Sadduzäer und Boefhusäer darlegen will (V, 2), so gut als die Fastenrolle. Dagegen hofft er eine neue und reichliche Quelle in den Apokryphen zu erschließen. Denn diese betrachtet er als sadduzäische Schriften, wenn sie 1. den Priesterstamm bevorzugen und von einem davidischen Messias nichts wissen. 2; den Auferstehungsgläuben ablehnen. 3. die aus der Mischna bekannten pharisäischen Überlieferungen verwerfen und statt dessen neue Gesetze vorschreiben. Von diesen Kriterien ist aber mindestens das dritte nicht brauchbar. Denn die Mischna ist 3—400 Jahre nach der Entstehung des Sadduzaismus abgeschlossen worden, und in dieser langen Zeit hat sich vieles geändert. Hillel und Scbammai wirkten, der Tempel wurde zerstört, Akiba und seine Schüler bildeten die Halacha aus. Man kann deshalb Bewegungen, die sich mehrere Jahrhunderte vorher vollzogen, nicht ohne weiteres am Maßstab der Mischna messen. Auch zeigt gerade diese, wie vielseitig die Entwicklung der Halacha gewesen ist. Berichtet sie uns doch auf Schritt und Tritt von Kontroversen. Also waren auch bei den Pharisäern verschiedene Auffassungen der Halacha möglich, und ein Standpunkt kann dem später in der Mischna kodifizierten widerstreiten und dennoch pharisäisch sein. Mithin können Werke, die Leszynsky