Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 63 (1919)
- Issue
- Heft 3
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 369 (sequence 6)
- Language
- German
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Besprechungen. 369 Scheidung und dem Korban und dem Apostel der Heiden gegenüber ihre Treue gegen das »Gesetz« hätten rechtfertigen können. Überall vertritt er die Sache der Pharisäer mit Gerechtigkeit, mit Geist und mit Mut. Ruhig erklärt er (S. 130) in einem bestimmten Falle, daß hier Jesus und die Evangelien sich geirrt hätten. »Jesus kam nicht über die Grenze hinaus, die ihn unfähig machte, den Standpunkt der Pharisäer zu verstehen.« Die Darstellung des Judentums bei Paulus aber veranlaßt ihn zu einem entschiedenen Protest. »Paulus unbedingte Negation wird schlagend widerlegt durch das lebende Zeugnis: aller Heiligen, Märtyrer und Helden Israels.« S. 156. Die beiden letzten Abschnitte des Buches wenden sich wieder ganz dem Judentum zu. Das fünfte Kapitel bespricht »Einige Punkte aus der pharisäischen Theologie.« Es zeichnet im großen ein Bild der jüdischen Glaubenslehre, eingeheiider dann aber die Lehre von Gott, von der Wiedervergeltung, von Lohn und Strafe und vom Verdienst (Sechuth). Das letzte Kapitel endlich zeigt den »Pharisäismus als Religion der Seele«. Hier weist unser Autor auf die geistige Freiheit hin, die in der Aggada lebte, und auf das Gefühl des tiefen Glückes, das die Erfüllung der Mizwoth bereitete. Er findet es vor Allem im 119. Psalm' ausgedrückt, in dem er eines der ältesten Zeugnisse des pharisäischen Geistes findet. Im Hinweis auf ihn erklärt er: »Alle Ideen von der Sklaverei unter dem Gesetz, an welche Christen sich gewöhnt haben, beruhen auf einer Auffassung des Sinnes und Zweckes der Thora, welche Juden niemals gehabt haben, wenigstens solche, die Juden blieben.« S. 238. Und dieses Urteil gründet er noch auf die alten Gebete/ die uns der Talmud überliefert. Im Anschluß an die Pirke Aboth schildert er zuletzt das jüdische Ideal des Menschen und des: Weisen . in seiner Übereinstimmung mit dem christlichen, wie in seiner Verschiedenheit von ihm. Und er schließt mit einem Bekenntnis, das uns innig wohl tut. »Die Heiligen und Weisen, die zu den Schriftgelehrten und Pharisäern gehörten, sind nicht das gewesen, als was man sie allgemein ber zeichnete und wofür man sie gewöhnlich hielt. Heilige und Weise waren sie, die Gott in Treue dienten und in der Thora seiin ,Wort in der höchsten Vollkommenheit fanden. Und was mich betrifft, obgleich ich nicht in ihren Wegen wandle, noch Monatsschrift, 63. Jahrgang. 24