Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 63 (1919)
- Issue
- Heft 3
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 368 (sequence 5)
- Language
- German
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368 Besprechungen. Pharisäismus und Jesus« und »Der Pharisäismus und Paulus.« In jeder Beziehung sind diese beiden Abschnitte der Kern und der Höhepunkt des Buches. Auch hier folgt Herford seiner schönen Methode, jede geschichtliche Erscheinung von ihrem eigenen Standpunkt aus zu betrachten. Er fragt also, welches Bild Jesus und Paulus vom Pharisäismus gewinnen, und wie sie selber umgekehrt den Pharisäern erscheinen mußten, und er kommt zu dem- Schlüsse, daß es sich hier um zwei grundverschiedene Richtungen von Religion handle, um Typen, die sich miteinander nicht verständigen konnten. Für die Pharisäer stand im Mittelpunkt der Religion eine Idee, verkörpert durch ein Buch, die Thora, für Ghristus aber eine Person, und zwar er selber. Zwischen diesen beiden Standpunkten kann es eine Einigung nicht geben, sie können einander nicht verstehen. Und die gleiche Differenz zeigt sich später zwischen den Pharisäern und Paulus. Paulus ist, nach Herfords Überzeugung aus dem Judentum hervorgegangen, und dennoch diesem nicht gerecht geworden. Durch ein Erlebnis, durch den Tag von Damaskus, war er ein ganz anderer geworden, und seine Briefe hat er zwanzig Jahre nach seiner Umwandlung geschrieben, als das Judentum nur noch wie eine schattenhafte Erinnerung hinter ihm lag. Der Kern seiner Frömmigkeit war die Erhebung, die Erlösung durch die Einwirkung eines bedeutenden Menschen gewesen. Auch er bekannte sich daher zu dem Glauben ah die große. Persönlichkeit und lehnte es ab, sich auf eine Institution, die Lehre, und auf ein Buch, auf die Thora, zu stützen. Den Weg, den er selber gegangen war, hielt er für den einzigen möglichen, jeden anderen aber, auch den des Judentums, hielt er für einen Irrweg. So begreiflich auch von seinem eigenen, von Paulus Standpunkt aus betrachtet, seine Haltung dem Judentum: gegenüber war, so wenig konnte er ihm, eben deshalb, gerecht werden. Diese Auffassung gewinnt Herford nicht aus bloßen Überlegungen und aus vorgefaßten Meinungen heraus. Vielmehr untersucht er sorgfältig jede einzelne Differenz zwischen den Pharisäern und Jesus oder Paulus, von denen die Evangelien oder die paulmischen Briefe berichten. Er führt geradezu den Prozeß der Pharisäer gegen ihre großen Gegner und macht überall geltend, was sie ihnen hätten ei widern können, er zeigt wie sie Jesus gegenüber das Sabbatgeböt und ihre Stellung gegenüber der Ehe-