Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 63 (1919)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Aus H. Graetzens Lehr- und Wanderjahren
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 361 (sequence 19)
- Language
- German
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Aus H. Graetzens Lehr- und Wanderjahren 361 Meisters ■.entfernten, und wie sich allmählich eine Kluft vertiefte, die kaum noch zu überbrücken war. Über die Antwort im Einzelnen sprach sich der Landrabbiner mit Graetz nicht aus. Er erfuhr aber aus einem Schreiben Greifenhagens, das an Friday, 10. Ljar (=== 22. Mai) bei ihm eintraf, daß H. ein Gehalt von 800 Thlr. gefordert hätte. Auch dem jungen Graetz erschien diese Forderung geradezu als eineUnverschämtheit. Da,p1it waren sogleich alle weiteren Verhandlungen abgebrochen, und ^ier Vermittlungsversuch, den der Jünger nur noch auf B. U/s Wunsch mit halbem Herzen machte, blieb erfolglos, ln der Tat zeigen uns beiläufig einige Nachrichten, die wir gerade aus jener Zeit besitzen, wie kläglich die Gehalts- und Einkommensverhältnisse der Rabbiner' damals waren. Als Zacharias Frankel im Jahre 1832 nach Teplitz, ging, hatte er viel Schreibereien, bis man ihm ein Bargehalt von 6 Gld. Conventionsmünze für die Woche bewilligte1). Und als er 4 Jahre später nach Dresden übersiedelte, bedurfte es wiederum langweiliger Verhandlungen, bis ihm ein festes Gehalt von 600 Thlr. zugesichert wurde2), Ungleich größer als in Teplitz und Dresden war die Judengemeinde in Breslau, und diese gab 1840 jedem der beiden Rabbiner, Tiktin und Geiger, ein Jahresgehalt von nicht mehr als 400 Thlr.3). Schließlich aber behielt Hirsch wirklich recht. Er brachte es schon ein Jahr später, als er zürn Landrabbiner von Ostfriesland gewählt wurde, ohne weiteres zu einem Gehalt von 800 Thlr.4). 1) Vgl. Brann, »Wie Zacharias Frankel nach Teplitz kam«. S. A aus der »Freien jüd. Lehrerstimme«, Jahrg. VI (1917) Nr. 1 — 3 S. 20 ff. 30 ff. 2) Ergibt, sich aus Frankels Briefwechsel mit Bernhard Beer, den ich demnächst anderweitig zu veröffentlichen gedenke. 3) S. Geiger, L., Abraham Geiger. Leben und Lebenswerk. S..56 ff. Eine größere Anzahl von Privatleuten brachte freilich außerdem noch weitere 400 Thlr. zu Geigers Besoldung zusammen. Bei den Akten der Synagogen-Gemeinde befindet sich das Verzeichnis dieser Jahresspenden, von denen L. Geiger keine Mitteilung gemacht hat. 4) Vgl. Zucker mann, Kollekianeen zur Geschichte der Juden im Hannoverlande, Heft II, Hannover 1913, S. 6 ff.