Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 63 (1919)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Aus H. Graetzens Lehr- und Wanderjahren
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 353 (sequence 11)
- Language
- German
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Aus H. Graeizens Lehr-und Wanderjahren. 353 Schiller beherrschte und sich von seinem Geiste leiten ließ. Bei alledem kam sie schwer über all die Kleinlichkeiten hinweg, die das bescheidene Dasein in dem kleinstädtischen Kreise ihr auf“ erlegte. Es handelte sich dabei nie um wichtige Dinge. Jede Kaffeetasse, die nicht sogleich zur Hand war, jedes Wasserglas, das vermißt wurde, rief Störungen und Verstimmungen hervor. Aber auch die tausenderlei kleinen und großen mütterlichen Sorgen verengerten unwillkürlich;ihren Sinn. Zu den vier kleinen Kindern, mit denen die Ehe bereits gesegnet war, kam jetzt ein fünftes hinzu, dem die Mutter sich zunächst ganz besonders widmen mußte. Niemals kam es zu ernsten Mißhelligkeiten. Der Meister verstand es in seiner stillen Weise, beruhigend und besänftigend zu wirken. Nach einigen Stunden, höchstens Tagen, war .stets das Einvernehmen wieder hergestellt. Immerhin blieben die Zwischenfälle wenig erfreulich. In den Zwischentagen des Peßächfestes, in den ersten Tagen des April, schickte der Jüngling wieder einen Aufsatz an den Dr. Philippson. »Ob es diesem wie dem ersten ergehen wird, weiß ich nicht. Ich habe es nicht an Phrasen fehlen lassen, die ihn ansprechen werden.י Ich sprach mit Wärme von seinem Schoßkind, von der jüdisch-theologischen1) Fakultät, mit Bitterkeit von Jost, mit dem er überworfen ist, und schmeichelhaft von ihm selber. Ob ihn das kurieren wird? Ich konnte das urit me der Injurien in Jost’s Renzension2) des חורב nicht mehr verknusen und mußte was erwidern. Es gehe, wie es wolle.« Die Abhandlung ist beiläufig ebensowenig wie die erste in der Zeitung erschienen. Wenige Tage später, Monday, 8. April, schrieb er ins Tagebuch (II, 130): »Heute fing ich an, im Englischen zu unterrichten, obgleich ich selber noch Unterricht darin habe. Das heißt wirklich medicin gueri-toi toi meme! Doch was tut man nicht alles, um, 1J Vgl. meine Geschichte des jüdisch-theologischen Seminars, S. 6 und die dort angegebenen Anführungen aus der AZDJ. 2) Die wenig freundliche Besprechung steht im ersten Jahrgang von Jost’s Annalen, Band II, S. 73 ff. Muoatsschrift, 63. Jahrgang. 23