Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 63 (1919)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Aus H. Graetzens Lehr- und Wanderjahren
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 351 (sequence 9)
- Language
- German
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Aus H. Graetzens Lehr- und Wanderjahreri. 351 Von einer Antwort auf diesen Brief ist nichts notiert. Soviel steht fest, das die Abhandlung damals nicht erschienen ist Selbstverständlich hatte auch die literarische Tätigkeit des Meisters seine lebhafte Teilnahme. Eben damals schrieb Hirsch unter dem Titel נפתולי נפתלי seine ersten Mitteilungen aus Naphtalis Briefwechsel. Graetz schrieb darüber am (g. Äb=) 31. Juli in sein Tagebuch (II, 106): »Heute legte ich das Manuskript zu einer Broschüre von B. U. auf die׳ Post Daran ist drei Wochen geschrieben worden. Was dies Buch wohl für Sensation machen wird. Je suis tres curieux. Die Reformatoren werden darin ganz hart angegangen, wozu sie unmöglich schweigen können«. Etwa vier Wochen später wurden die Studien durch die Reise nach einem kleinen Städtchen unterbrochen. Mit einigen Geführten durfte Graetz den Landesrabbiner zur Einweihung der Synagoge in Delmenhorst1) begleiten. »Das kleine Schülchen ist schön dekoriert. Die Einweihung war auch angemessen. Die erste Predigt nicht bedeutend und doch wurde sie von Juden und Christen mit Enthusiasmus aufgenommen. Die Mahlzeit des Abends, war fresserisch. Die Predigt שבת Morgen war schön und herzerhebend, und das fühlten auch die Christen. Die Delmenhorster sind recht freundlich und artig. Des Nachmittags gingen wir nach dem sogenannten Tiergarten, und alt wie jung, d. h. junge Leute von 40 und 20 trieben Kindereien. Das sind Amüsements« 1). So ging das Jahr zu Ende und zu Beginn des neuen Jahres schrieb Graetz rückblickend in sein Tagebuch (II, 111): »Gottes väterliche Hand war wieder dies Jahr überv-mirr daß״ es sich mir mit Seelenruhe anfing. Zu מוסף war ich von der Idee, daß wir in ארץ ישראל ein so erhabenes Leben entfalten könnten, und uns hier so recht בארץ טמאה herumplagen müssen, so ergriffen, daß die Thränen :mir stromweise aus den Augen flössen. Aber solche Thränen bringen auch das feste unerschütterliche Bewußtseyn, daß einst die Zeit doch sich realisieren wird und muß. Nichts kann aber besser von unserer höheren Aufgabe Zeugnis ablegen, als eben ף a. a. O. S. 539.