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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1919-01-01 · Heft 3 · p. Seite 345

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
63 (1919)
Issue
Heft 3
Article
Aus H. Graetzens Lehr- und Wanderjahren
Date
1919-01-01
Page
Seite 345 (sequence 3)
Language
German
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345 Aus H. Graetzens Lehr- und Wanderjahren, tödes sterben, wenn sie nicht etwas׳ bekommen. Der klägliche Ton, mit welchem diese es vorbrachten, die Individuen, die sonst für bemittelt galten, endlich die Menge der Supplizienten frappierte die Vorsteher, und sie konnten die Frage nicht unterdrücken, woher sie denn bisher Mittel genommen hätten, worauf die Antwort erfolgte: Von unserm. Wohlthäter מרדכי, der bis in den Tod uns und unsere Kinder erhalten hat, während er im wahren Sinne des Wortes hungerte. Diese Erklärung machte die Vor- Steher stutzig, und sie forschten nach, und es ergab sich wirklich, daß Moke Maximus nur dazu Almosen verlangte, um diese dürftigen Familien zu erhalten und nur darum sich täglich verspotten und verlachen ließ. Kann es eine größere Tugend geben? Mit Mintänsetzung seiner Vorteile, seiner Ehre, seines ganzen Lebens, ja des Gefühles, je einen Dank, eine Bewunderung dadurch zu erlangen, im Stillen der eigennützigen Welt unermüdet ein Ziel zu verfolgen, das nicht einmal von einem Menschen verlangt wurde? Innige Verehrung, wahrhafte Bewunderung diesem hingeschiedenen Geiste, er sey mein Polarstern in dem stürmischen Meer unserer Zeit. Alle meine Gefühle sind in Wallung gerathen, wie ich diese Geschichte hörte. Es war ein Mensch, wie er seyn soll, ein Jude, wie ihn משה aufgestellt Nein, selbst בנימן הצדיק, von dem die גמרא ב״בי ידף י״א erzählt, er habe in unfruchtbarer Zeh eine Frau mit 7 Kindern aus •seinen eignen Mitteln erhalten, weil die öffentliche Kasse unzulänglich war, kommt diesem Manne nicht gleich. Und wenn Gott 22 בנימן הצדיק Lebensjahre schenkte, müßte ein מרדכי, der צדיק וחסיד genannt zu werden, in hohem Grade verdient, ewig leben« (II, 61 ff). Schon am Sonntag nach dem Feste reiste M. ab, »nachdem er mich bei einigen Personen meines Aufenthaltsortes eingeführt hatte;..... Er ließ mich in heiterer Stimmung zurück . . . . Auch mußte ich ihm etwas ins Stammbuch einschreiben. Ich thats und weiß Gott, mit welchem Gefühl, denn ich habe noch hie so etwas geschrieben. Es lautete: Flüchtig^schwinden hin die Erdgestalten, Freundschaft, läßt sich nur festhalten.

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