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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1919-01-01 · Heft 3 · p. Seite 344

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
63 (1919)
Issue
Heft 3
Article
Aus H. Graetzens Lehr- und Wanderjahren
Date
1919-01-01
Page
Seite 344 (sequence 2)
Language
German
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844 Aus H. Gräetzens Lehr״ und Wanderjahren. Berücksichtigung für die Kenntnis der jüdischen Verhältnisse und Vorgänge in der Mitte des vorigen Jahrhunderts. Mit Graetz stand er noch nach Jahrzehnten in brieflichem Verkehr. Sogleich bei der ersten Begegnung ־erzählte er ihm viel von der Verderbtheit der großen Welt, in die Graetz damals kaum einen flüchtigen Blick getan hatte, zeichnete ihm aber in scharfen Strichen Charakterbilder von tugendhaften Menschen, wie er dergleichen in seiner Unerfahrenheit in einer Großstadt nicht vermutet hatte. Er erzählte ihm von einem schwer mißgestalteten Bettler מרדכי in Mamburg, den seine jüdischen Mitbürger, tim all ihren Hohn und Spott zum Ausdruck 2u bringen, nicht anders als Moke nannten. »Seine Armuth war so groß (II, 61 f), daß er auf der Straße jedem Vorübergehenden die Hand entgegenstreckte, um dem Scheine nach seine Nothdurft in etwas zu mildern, und seine Mißgestalt war so frappant mit seinem krummen Munde, über welchen gewohnlich der Geifer lief, daß ihn niemand ansehen mochte. Wer sollte wohl denken, daß in diesem häßlichen Äußeren, dieser schauderhaft mißgestalteten Person eine wahrhaft göttliche Seele innen wohnte, die unbekümmert, was die törichte Welt wohl sagt oder urteilt, faselt oder lacht, unbekümmert, was aus ihr bei dieser Indifferenz wohl werden wird, das Ziel verfolgt, zu welchem sie hienieden gehandelt wurden. Sein ganzes Leben bettelte Mordechai nnd starb endlich vor 5 Jahren, vielleicht zur Freude Mancher.' Gleich nach seinem Tode kamen acht für bemittelt so lange gehaltene Familien zu קהל und jammerten, sie müßten des Hunger- (1857), 37* ff,53* ff, 642 ff (unterzeichnet /:. ) IV, 154 ff. Mehr ist mir. von dieser Zeitschrift leider nicht zugänglich. — Im Anhang gebe ich einen bisher ungedruckten Brief an seine Schwägerin Sophie Meyer in Hildeshehn, d. d. Hamburg, 28. Febr. 1861, in welchem der Vf. über seine persönlichen Beziehungen zu Frankel, Graetz und Hirsch Rechenschaft gibt. Er ist gerade in der Zeit geschrieben, in der der Streit über Frankels Darche lia-Mischnah am heftigstentobte. Man sieht daraus, daß es ihn! trotz mancher treffender Bemerkungen doch am richtigen Augenmaß für die Größe streng wissenschaftlicher Leistungen gebrach.

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