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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1919-01-01 · Heft 3 · p. Seite 346

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
63 (1919)
Issue
Heft 3
Article
Aus H. Graetzens Lehr- und Wanderjahren
Date
1919-01-01
Page
Seite 346 (sequence 4)
Language
German
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346 Aus H, Graetzens Lehr- und Wanderjahren. Erbärmliche Trochäen. Aber ich bin nicht zum Poeten geboren und nehme mit meinem prosaischen Sinn fürlieb, wenn ich nur Gott dienen kann« (II, 66 f). Gleich nach den Feiertagen fühlte sich der Rabbiner besonders schwach und abgespannt. Auf ärztliche Anordnung sollte er einen Kuraufenthalt in Ems nehmen. Allein zunächst suchte er sich auf anderem Wege Anregung und Erfrischung zu verschaffen. Er unternahm die Inspektionsreise in die kleinen Gemeinden des Landes, zu der er von Zeit zu Zeit verpflichtet war und hoffte, durch die abwechselnden Eindrücke die gewohnte Spannkraft wiederzugewinnen. Der Jünger begleitete ihn auf der Reise. Auch während der Fahrt ruhte die Unterweisung keineswegs. Bald unterhielten sie sich über die verschiedenen Stufen der Trauer um einen nahen Verwandten (אנינות und אבלות), bald über das Prinzip, das dem Verbot der Spannader zu Grunde liegt, oder über die Begriffe der reinen und unreinen Tiere (S. 68, 71, 81.) »Kurz diese Tour ist für mich beseligend«, lesen wir im Tagebuch (II, 74), »wenn ich bedenke, [daß ich] mit dem Manne, den ich und viele meinesgleichen verehren, gemeinschaftlich reise und neben ihm gehe, als wäre er gar nichts mehr als ich.« Leider trat die erhoffte Wirkung der Rundfahrt nicht ein, und am Dienstag, (1. Tammus-) 4, Juli, mußte die Badereise angetreten werden. So großes und unbedingtes Vertrauen hatte der Meister schon jetzt zu seinem Schüler, daß er ihm Erlaubnis erteilte, die etwaigen שאלות nach klarem Durchgedachthaben zu beant- Worten; «allein bei dieser Gelegenheit erkenne ich die Folge des oberflächlichen Studiums der גג? ך א, das doch bisher meine einzige Beschäftigung war. Nicht einen einzigen דין oder הלכה konnte ich als Ergebnis des Studiums richtig angeben. Dieser Gedanke martert mich unaufhörlich. Aber ich wäll das Vernachlässigte mit Gottes Beistand nachholen« (II, 75). Am Donnerstag, den 20. Juli (17==־. Tammus) schrieb er dann in sein Tagebuch (II, 76 f). »Es kam mir recht rührend vor, daß ich so ganz allein heute oren und fasten mußte, wo ich doch sonst immer im צבור war und gemeinschaftliches Schmerzgefühl über die heutige Katastrophe

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