Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 63 (1919)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Kaiser Friedrich II. und die deutschen Juden
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 329 (sequence 15)
- Language
- German
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Kaiser Friedrich .11. und die deutschen Juden. 329 des Kaisers zu den deutschen Juden bieten kann. Auch ist zu beachten, daß der Kaiser nun nicht mehr nach Deutschland gekommen ist, und die deutschen Angelegenheiten für ihn immer mehr in weite Ferne rückten, da ja der nun bald einsetzende Entscheidungskampf mit dem Papst seine ganze Kraft beanspruchte. So lag auch der Tatareneinfall, der 1241 über Europa hereinbrach, ihm allzufern; wer weiß, ob er überhaupt genaue ־Kenntnis erhalten hatte von den Wirrnissen, die im Anschluß an ihn über die Juden hereinbrachen. Sein Sohn und Stellvertreter Konrad IV. sah die Juden allerdings in erster Reihe als EinnahmerQuelle1) an, aber dies Los teilten sie mit allen anderen, was Eigentum des Reiches ist, denn das Geldbedürfnis der Staatsverwaltung war in stetem Steigen begriffen. In diesen entscheidungsvollen Jahren, in denen die Staufer noch einmal alle ihre Reserven in die Wagschale werfen, um den Kampf zu bestehen, verknüpfte sich eben auch das Schicksal der Juden mit dem ihren, da sie ja zur kaiserlichen Kammer gehörten. Die Ab- Wesenheit des freidenkenden Kaisers mögen auch immer wieder die Dunkelmänner dazu benutzt haben, um unter irgend einem Vorwand Judenverfolgungen in.Scene zu setzen2). Daß der Kaiser solche Dinge nie geduldet hätte, hätte er wirklich in Deutschland regiert, scheint mir außer aller Frage. Das beweist immer wieder sein Verhalten den siziiischen Juden gegenüber. Nicht bloß die Juden hatten durch seine Abwesenheit von Deutschland zu leiden, sondern das ganze Reich, das sich in Bürgerkriegen zeifleischte. Gewiß waren die Juden Österreichs, Steiermarks und der Krain besser daran, denen ein freidenkender Fürst weitgehende Rechte verlieh3), aber dieser lebte auch im Lande und kannte die Verhältnisse aus dem Augenschein. So sehr also auch der Vergleich lockt, zwischen dem Privileg des Kaisers von 1238 mit dem des es ist für die Beurteilung der Urkunden stets wichtig, zu wissen, wo sie ausgefertigt sind. ף Vgl. Aronius a. a. O. Nr. 534. 535. 537. 544. 2) Vgl. Aronius a. a. O. Nr, 529. 543. 546. 3) Vgl. Aronius a. a. O. Nr. 547.