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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1919-01-01 · Heft 3 · p. Seite 327

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
63 (1919)
Issue
Heft 3
Article
Kaiser Friedrich II. und die deutschen Juden
Date
1919-01-01
Page
Seite 327 (sequence 13)
Language
German
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827 Kaiser Friedrich II. und die deutschen Juden. Kaiser Ende des Jahres 1236 von Italien nach Deutschland zog. Wohl war in dieser Zeit Wien freiwillig zu ihm übergegangen, aber der »geächtete Herzog hielt sich noch unbesiegt in anderen Städten und Burgen und machte dem überlegenen Exekutionsheere genug zu schaffen«נ). Unter Berücksichtigung dieser Lage ist das Privileg zu betrachten, das er im April des Jahres .1237 der Stadt Wien ausstellte* 2). Wien hatte ihn im Kampf gegen den Herzog• Friedrich unterstützt und damit den Anspruch auf den Dank des Kaisers erworben. Aus dem nahen Verhältnis, in dem die Juden zum Herzog standen, mag sich ein Gegensatz gegen die Stadt Wien herausgebildet haben, der zu Beschwerden der Bürger von Wien über die Juden beim Kaiser führte. In diesem Augenblicke konnte der Kaiser natürlich nicht daran denken, eine Untersuchung darüber anzustellen, in welchem Maße die Beschwerdepunkte der Stadt Wien zu Recht bestanden, er mußte vielmehr nur versuchen, die Stadt Wien sich weiter als Bundesgenossen gegen den Herzog zu erhalten. Aus diesem ״Gesichtspunkt heraus erscheint es verständlich, wenn er die Forderung Wiens anerkannte und in dem Privileg festsetzte, »daß die Juden von Ämtern ausgeschlossen würden, damit sie nicht die Amtsgewalt zur Bedrückung der Christen mißbrauchen, denn schon von Alters her seien die Juden zur Buße für ihr Verbrechen zu ewiger Knechtschaft verurteilt3).« Harry Bresslau meint hierzu4), »unter Herzog Friedrich scheint die Anstellung jüdischer Beamter so um sich gegriffen zu haben, daß die Stadt nach der Vertreibung des Herzogs sich sofort vom Kaiser das Versprechen geben ließ, keine jüdischen Beamten mehr anzustellen.« Lassen wir diese Vermutung auf sich beruhen. Doch glaube ich auch ohne diese klar und deutlich gezeigt zu haben, daß das Verhalten des Kaisers gegen die Wiener Juden nicht von Rücksichten persönlicher Gehässigkeit diktiert war, sondern nur von Rücksichten auf die x) Vgl. Winkelmaim a. a. O; S. 49. 2) Vgl. hierzu Scherer a. ä. O. S. 131. . 3) Aronius a. a. O. Nr. 509. 4) Hebr. Bibi. 10, 4.

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