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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1919-01-01 · Heft 3 · p. Seite 325

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
63 (1919)
Issue
Heft 3
Article
Kaiser Friedrich II. und die deutschen Juden
Date
1919-01-01
Page
Seite 325 (sequence 11)
Language
German
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Kaiser Friedrich IL und die deutschen Juden. 325 stellungswelt war, die er aus seinem sizilischen Königreich mitbrachte, in dem doch eben das Untertanenverhältnis viel schroffer zu Tage trat als in Deutschland. In jener schon halb orientalischen Welt war der Begriff servus durchaus nichts Fremdes, ohne das zu bezeichnen, was wir heute mit Knecht wiedergeben1). Macht man so heute m. E. nach mit Unrecht dem Kaiser den Vorwurf, daß er gegen die deutschen Juden lau und lässig gehandelt habe, so glaubte ihm der Papst Gregor IX. den Vorwurf machen zu können, er habe sie der Kirche entzogen. Gegen diesen Anwurf mußte sich der Kaiser in einem Rechtfertigungsschreiben verleidigen2). Ehe wir das für die jüdische Geschichte ereignisreiche Jahr 1236 verlassen, müssen wir aber noch einmal die Behauptung von Graetz zurückweisen, daß Friedrich vorurteilsvoll in betreff der Juden gehandelt habe. Man muß im Gegenteil zu dem Resultate kommen, und ich hoffe das gezeigt zu haben, daß sein Handeln frei von jedem Vorurteil war, daß es hingegen von dem Bestreben erfüllt war, zu einem entscheidenden unparteiischen Urteil zu gelangen. Er, der beste Kopf seiner Zeit, stand geradezu meilenweit von allem entfernt, was mach Vorurteilen aussah und war der letzte, der wahnwitzigem Aberglauben irgend welchen Vorschub geleistet hätte. Eine ähnliche falsche Beurteilung hat Friedrichs Verhalten gefunden, als er im nächsten Jahre (1237) der Stadt Wien ein Privileg ausstellte3), durch das die Rechte der dort wohnenden Juden wesentlich vermindert wurden. Auch hier können wir nur dann zu einer objektiven Erkenntnis gelangen, wenn wir die Umstände betrachten, unter denen diese Verleihung zustande gekommen ist. Schon seit Jahren lag der Kaiser in 4 ״) Liebe a. a. G. S. 321 sagt: »Der im 12. Jahrhundert aus dem Schutzbedürinis der Juden emporkeimende Begriff der Kammerknecht־ schaft ist iin 13. Jahrhundert zu vollständiger Ausbildung gelangt. Lag der Schwerpunkt eigentlich in der ersten Hälfte des Wortes, um die Schutzabgabepflichtigkeiten zu bezeichnen, so verschiebt er sich jetzt in die zweite.« Doch muß man sich trotz Liebe hüten, an eine wirkliehe Knechtschaft zu denken, von der gar keine Rede sein kann. 2) Aronius, a.'a. O. Nr. 498. 3) Aronius, a. a. O. Nr. 500 vgl. auch Liebe, a. a. O. S. 321.

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