Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1919-01-01 · Heft 3 · p. Seite 323

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
63 (1919)
Issue
Heft 3
Article
Kaiser Friedrich II. und die deutschen Juden
Date
1919-01-01
Page
Seite 323 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2829132-2829892-2829896-2894921--43740-2895057
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Kaiser Friedrich 1L ־und die deutschen Juden. 323 ihre Unschuld in einem öffentlichen Verfahren .dargelegt würde. Diese Kommission, die er zum Zweck der näheren Untersuchung einsetzte, konnte sich nicht einigen. Mag man vielleicht in einem Teil ihrer Mitglieder an eine Voreingenommenheit oder an eine ungenügende Kenntnis des jüdischen Ritualgesetzes denken, so mußte der Kaiser sein Verfahren weiter, ausdehnen, und das zeugt für die Gründlichkeit, mit der er die Sache behandelte, er schickte Gesandte an alle Könige des Abendlandes, um aus deren Reiche Täuflinge holen zu lassen, die sich autoritativ äußern konnten. Die Untersuchung zog sich am Hofe des Kaisers längere Zeit hin. Das Resultat ist bekannt, muß• aber in unserem Zusammenhange wenigstens kurz angeführt werden1). Man erklärte, »daß weder im alten noch im neuen Testament etwas davon stehe, daß *die Juden Menschenblut brauchten, vielmehr sei es ihnen durch die Gesetze von Moses und des Talmud verboten, sich mit irgend welchem Blute zu beflecken. Da, zumal bei der Schrecklichkeit und Widernatürlichkeit der Sache nicht anzunehmen sei, daß diejenigen, denen sogar Tierblut verboten sei, Leben und Gut für Menschenblut wagen könnten, so spricht sie der Kaiser nach dem Spruche der Fürsten von der Beschuldigung los und verbietet Jedermann, sie, sei es bei der Gelegenheit einer Predigt oder bei anderer ' Gelegenheit, mit dieser Beschuldigung anzugreifen.« Die Graetz,sche Behauptung, daß er von den Juden bedeutende Summen als Strafgelder einzog, entspricht nicht der Überlieferung der Quellen und widerspricht auch innerlich ganz und gar dem unparteiischen Verhalten, das Friedrich in dieser Angelegenheit bewahrt hatte. Gewiß war er sonst durchaus der Mann^ der jede Einnahmequelle für den Staat ausnutzte, und zweifellos waren ihm auch die Juden eine solche, ohne daß man daraus irgend etwas Feindseliges herauslesen könnte. Aber, nachdem er selbst erklärt hatte, daß er von ihrer Unschuld überzeugt war, ist es als völlig ausgeschlossen zu erachten, daß er für eine 1-) Ich folge hierbei Aronius, a. a. O. Nr. 497, der die weitere Literatur angibt. 21

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.