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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1919-01-01 · Heft 3 · p. Seite 321

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
63 (1919)
Issue
Heft 3
Article
Kaiser Friedrich II. und die deutschen Juden
Date
1919-01-01
Page
Seite 321 (sequence 7)
Language
German
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Kaiser Friedrich II.״ und die deutschen Juden. 321 denke nur an Jakob ben Abbamari ben Simson ben Anatoli, an Moses ben Salomo, an Juda ben Salomo Ibri Matka1), wußte er, daß die jüdische Religion weit von solch blutigen Gebräuchen, wie sie ihr unterstellt wurden, entfernt war. Man hat dem Kaiser in der Literatur vorgeworfen, daß er die Mörder der Juden, die unschuldig hingeschlachtet worden waren, nicht bestrafte. Gewiß würde dies unserm modernen Rechtsempfinden am meisten entsprechen und mag auch dem des Kaisers entsprochen haben, den man ja als den »ersten modernen Menschen«2) bezeichnet hat. Aber er befand sich in diesem Augenblick nicht in seinem unteritalienischen Königreich, wo die Juden die Rechte einer besonderen Nation genossen und wo die Mannichfaitigkeit der Religionen religiöse Wahnideen überhaupt völlig ausschloß, sondern in Deutschland, das durch die Kreuzfahrer in eine Art von religiösen Taumel versetzt war. In diesem Augenblick also ein ordentliches Gerichtsverfahren anzustellen, hätte bei der Stimmung der Menge ungeahnte Folgen nach sich ziehen können, außerdem wäre dabei nichts herausgekommen, denn die Juden waren tot und die Kinder ebenfalls. Wer sollte da Zeugnis ablegen? Tat nicht der Kaiser in diesem Falle das allerrichtigste, wenn er sagte, man solle die Kinder beerdigen, denn wenn sie tot seien, so seien sie doch zu nichts anderem nütze? Gewiß hätte er auch die Möglichkeit gehabt, zu erklären, daß er die Tat, die man gegen die Juden von Fulda verübt habe, verdamme, aber er durfte damals nicht vergessen, daß an dem Vorfall Kreuzfahrer beteiligt waren, und daß hinter den. Kreuzfahrern die Kirche stand. Noch war die Zeit des offenen Konfliktes" mit der Kirche nicht gekommen, noch hieß es für ihn, sie nicht vor den Kopf zu stoßen, und die Kreuzzugsbewegung war auch damals noch ein wichtiger Faktor in der Politik des heiligen Stuhles. Dieser aber sah in den Juden eben die Ungläubigen, und so mögen es wiederum politische Erwägungen , x) Vgl. Strauss, a. a. O. S. 85 ff. 2) Vgl. Jakob Burckhardt: Die Kultur des Renaissance in Italien, herausgegeben von Ludwig Geiger, S. 4. Monatsschrift, 63. Jahrgang. 21

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