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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1919-01-01 · Heft 3 · p. Seite 317

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
63 (1919)
Issue
Heft 3
Article
Kaiser Friedrich II. und die deutschen Juden
Date
1919-01-01
Page
Seite 317 (sequence 3)
Language
German
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317 Kaiser Friedrich II. und die deutschen Juden. ihn eine »Bede« bei den Juden von Worms einzubringen1). Man hat in diesem Privileg mit Recht die Tatsache gesehen, daß die Zentralgewalt begann, den Judenschutz auf die Partikularfürsten zu übertragen, aber man muß für jenes Jahr einschränkend sagen, daß damals der Kaiser, der noch nicht unumschränkter Herr war, kaum daran denken konnte, seine Rechte straffer anzuziehen2). Im Jahre 1216 bestätigt er den Juden von Regensburg auf ihren Wunsch eine Urkunde seines Großvaters Friedrichs I., eine Tat- Sache, die ja für seine eigene Judenpolitik noch nichts bedeutet; denn kaum ans Ruder gekommen, konnte er noch nicht daran gehen, eigene Wege zu beschreiten, aber das Privileg zeigte ihm die Lage, in der die deutschen Juden sich befanden, was recht wichtig war, da er ja seiner Geburt nach von deutschen Verhältnissen damals noch recht wenig kannte und sich die Materie als eine fremde erst aneignen mußte. Es ist dies eine Tatsache, auf die bei Friedrich II. stets hinzuweisen ist, daß er, obwohl deutscher Kaiser, doch nach Geburt und Neigung Italiener gewesen ist3). In dieser Urkunde Friedlich Barbarossas fand er, daß die Juden zur kaiserlichen Kammer gehörten, also in besonders nahen Beziehungen zur Zentralgewalt standen. Es ist in dieser Urkunde von einer Kammerknechtschaft nicht die Rede, es heißt nur, sie gehören ad imperialem cameram. Aronius4) macht mit Recht darauf aufmerksam, daß überhaupt die Kammerknechtschaft »keine wirkliche Knechtschaft ist, sondern nur bedeutet, daß die נ) Vgl. I. Aronius: Regesten zur Geschichte der Juden bis zum Jahre 1273, Berlin 1902. 2) Vgl. G. Liebe: Die rechtlichen und ־wirtschaftlichen Zustände der Juden im Eizstift Trier (Westdeutsche Zeitschr. für Geschichte und Kunst, Bd. 12, 1893, S. 323). 3) Vgl. hierzu die schöne Charakteristik Güdemanns a. a. O. S. 101/102: »Italiener von Geburt, Deutscher durch Abstammung, Christ durch Erziehung, Freidenker durch Überzeugung, Freund der Wissenschäften und Ketzerverfolger, Führer eines Kreuzzuges und mit den Bekennern des Islams liebäugelnd, verfließt sein Leben halb im kirchliehen Leben, halb in Ergebenheit gegen die Päpste«. 4) Aronius a. a. O. Nr. 314a.

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