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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1919-01-01 · Heft 3 · p. Seite 316

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
63 (1919)
Issue
Heft 3
Article
Kaiser Friedrich II. und die deutschen Juden
Date
1919-01-01
Page
Seite 316 (sequence 2)
Language
German
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316 Kaiser Friedrich II. und die deutschen Juden. Erziehungswesens und der Kultur der Juden in Italien während des Mittelalters«1) in die Dinge ein; doch ist auch seine Auffassung in manchen Punkten anfechtbar. Es sind vor allem Fehler der Methode, die hier gemacht worden sind. Niemals kann man das Verhalten eines Fürsten gegen die Juden als ein für sich allein dastehendes Faktum aus der allgemeinen Geschichte herausnehmen. Man kann nicht auf Grund eines für die Juden ungünstigen Privilegs einfach erklären, daß der Betreffende, der dieses Privileg gegeben hat, den Juden ungünstig gesinnt war, sondern man muß in diesem Falle untersuchen, was ihn zur Ausstellung dieses Privilegs veranlaßt hat Denn die Juden — ein politischer Faktor im Völkerleben wie jeder andere—: unterliegen denselben politischen Gesetzen, wie die anderen Volksteile, und es kann deshalb sehr leicht einmal der Augenblick eintreten, wo. der Kaiser sie benachteiligen muß, weil er ihre politischen Gegenspieler braucht. Das sind Vorgänge, wie sie im politischen Leben des Mittelalters in jedem Augenblick zu beobachten sind, man denke etwa an das Wechselvolle Spiel, in dem sich die Zentralgewalt bald auf die Fürsten, bald auf die Städte stützt. So ist es grundsätzlich falsch, einfach aus ungünstigen Privilegien weitgehende Schlußfolgerungen zu ziehen, wenn man nicht die gesamte Zeitgeschichte betrachtet Oft verkehren sich derartige Dinge gerade in das Gegenteil. Diese allgemeinen Bemerkungen glaubte ich vorausschicken zu müssen, und ihre Richtigkeit hoffe ich im einzelnen dartun zu können. Im ersten Teil meiner Untersuchung möchte^ch die einzelnen Fälle, in denen Friedrich zu Angelegenheiten der deutschen Juden Stellung genommen hat, im Rahmen der allgemeinen Geschichte untersuchen und im zweiten dann die Richtlinien aufweisen, die sich für Friedrichs jüdische Politik daraus ergeben und seine persönliche Stellungnahme zeigen. Der kaum zur Regierung gekommene junge König Friedrich II. verspricht am 5. Oktober 1212 dem Bischof Lupoid von Worms, nur durch x) Wien 1884, Bd. 2, S. 101—107.

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