Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 63 (1919)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die ethische Schrift Sepher Hajaschar und ihre philosophischen Anschauungen
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 313 (sequence 23)
- Language
- German
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und ihre philosophischen Anschauungen. 313 des Propheten gelangt zur Stufe der Prophetie, wenn sie ihre volle Reinheit und Hoheit erreicht hat und sich mit ihrer ganzen Kraft zu den oberen Dingen hingezogen fühlt. Dann ist sie dem Schöpfer nahe, und es gibt infolge der Höhe ihrer Vorstellungen keine Scheidewand zwischen ihr, der Prophetie und dem Schöpfer. Ist die Seele aber schon so hoch und kann sich mit den oberen Wesen vereinigen, während sie noch mit dem Körper verbunden ist, umwievielmehr wird dies nach der Trennung vom Körper der Fall sein; denn der Körper ist es, der sie hemmt, mit aller Kraft aufzusteigen, wie der Vogel, dem die Flügel beschnitten sind, nicht mit seiner ganzen Kraft aufsteigen kann, bis ihm die Flügel wieder gewachsen sind. Das gleiche gilt von den Seelen der Frommen und der Weisen; denn nach einem Ausspruch des Talmuds ist der Weise noch besser als der Prophet 1). Wenn sich die Seele fromm und rein erhalten hat, so kehrt sie bei ihrer Trennung vom Körper durch die Sphären hindurch, durch die sie in diese Welt eingetreten ist, zu ihrem ursprünglichen Ort zurück,- wie der aus der Gefangenschaft befreite Vogel zu seinem Neste zurückkehrt Die sündige Seele dagegen gleicht einem Vogel, dessen Schwingen verstümmelt sind und der, dadurch der Flugkraft beraubt, in eine tiefe Grube gefallen ist, die er erst verlassen kann, wenn seine Schwingen wieder gewachsen sind und. er seine Flugkraft wiedererlangt hat. Nach der Trennung vom Körper weilen die Seelen in der künftigen Welt und sind in ihrem Verhalten den Engeln gleich, bis sie zur Zeit der Wiederbelebung der Toten wieder mit den Körpern vereinigt werden. Dann tritt wegen der wiederauferstandenen Menschen auch eine Erneuerung der diesseitigen Welt ein. Auch diese Weit, in der vielleicht der Himmel und die Erde mit neuen Kräften werden ausgestattet sein, wie die Körper und die Seelen eine Erneuerung erfahren haben, wird die künftige Welt genannt2), ln ihr weilen die Frommen תטה במזימתה אליו ותדבק בו במחשבתה ותעבירהו ברעיוניה ומתארה אליו וכופפת לו; וזאת תכלית האהבה הזכה. ג) V, S. 17b. Vgl. Talmud b. Bab. batra fol. 12a. 2) Auch Hillel ben Samuel lehrt, daß unter der künftigen Welt