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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1919-01-01 · Heft 3 · p. Seite 311

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
63 (1919)
Issue
Heft 3
Article
Die ethische Schrift Sepher Hajaschar und ihre philosophischen Anschauungen
Date
1919-01-01
Page
Seite 311 (sequence 21)
Language
German
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und ihre philosophischen Anschauungen. 311 Nahe und das Ferne, sogar das am Ende der Welt Befindliche umfaßt, als ob es vor oder hinter ihr stände. Die Seele des Gelehrten z. B. erfaßt die Sphären, ihre Ausdehnung und Beschaffenheit. Demnach muß die Seele alle Dinge umschweben und sie müssen in ihr enthalten sein. Die Seele muß höher als diese Dinge sein und einem höheren Orte entstammen, zu dem sie nach dem Tode wieder zurückkehrt1). Die Seele hat die Kraft der Erkenntnis, sich Alles anzueignen, was in der Welt ist, und eine höhere Erkenntnis, durch die sie sich selbst und ihre Erkenntnis erkennt. Durch diese Erkenntnis ihrer selbst oder die Erkenntnis ihrer Erkenntnis kommt sie dem Schöpfer nahe und erreicht sie ihre höchste Stufe, denn indem sie sich selbst erkennt, erkennt sie alle Erkenntnisse, da alle Erkenntnisse in der Seele eingeschlossen sind"2). In der Seele sind Wirkendes und Gewirktes, die sonst voneinander geschieden sind, identisch, denn’die Seele ist, indem sie sich selbst erkennt, zugleich Erkennendes und Erkanntes; sie vereinigt beides in sich, weil sie als ein Mittleres zwischen dem Schöpfer und den Geschöpfen vom Schöpfer das Erkennen und von den Geschöpfen das Erkanntwerden überkommen hat3). Wie. der Körper des Menschen aus den Bestandteilen der vier Elemente zusammengesetzt ist, die, während des Lebens vereint, sich im Tode wieder trennen und zu ihren Eiementen zurückkehren, so ist auch die Seele des Menschen gewissermaßen aus den Kräften von vier Elementen zusammengesetzt, aus der Kraft der Existenz, des Lebens, der Weisheit und der Einheit Gottes, die bei der Trennung vom Körper gleichfalls jede zu ihrem Element oder *) V, S: 17a. ״ ' 2) V, S. 19a. Die Lehre, daß der Geist oder die Seele alle Dinge umfaßt und sie erkennt, indem sie sich selbst erkennt, ist neu pl atonisch und findet sich sehr häufig bei Gabirol. Vgl. Guttmann, Die Philo- Sophie des Saiomon ibn Gabirol, S. 67, A. 1 u. a. O. 3) VH S. 27a: ואי אפשר להיות הפועל והפעול דבר אחד זולת? הנשמה לבדה; כי היא יודעת בל הדברים הידועים ויודעת עצמה; אם כן היא יודעת עצמה וידועה לעצמה ... והשלישי הנשמה; אשר היא בינונית ־בין הבורא ובין הנברא וקבלה מכח הבורא להיות יודעת ומכח הנברא להיות ידועה.

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