Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1919-01-01 · Heft 3 · p. Seite 302

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
63 (1919)
Issue
Heft 3
Article
Die ethische Schrift Sepher Hajaschar und ihre philosophischen Anschauungen
Date
1919-01-01
Page
Seite 302 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2829132-2829892-2829896-2894920--43718-2895036
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

302 Die ethische Schrift Sepher Hajaschar denn zu jedem Dinge gibt es einen Gegensatz, wie der Gegensatz des Schöpfers das Geschaffene ist1). Das Wesen eines jeden Dinges stellt sich in seinen Eigenschaften oder Attributen dar. Durch die Erkenntnis ihrer Eigenschaften oder Attribute gelangen .wir daher zur Erkenntnis des Wesens der Dinge* wogegen ohne die Erkenntnis der Eigenschaften oder Attribute eine Erkenntnis des Wesens unmöglich ist. ,Gottes Kräfte, die für uns seine Eigenschaften darstellen, sind wir aber zu erkennen nicht imstande, denn eine Erkenntnis ist nur möglich, wo zwischen dem Erkennenden und dem, was erkannt werden soll, eine gewisse Gemeinsamkeit besteht2). Zwischen Gott und uns aber besteht keinerlei Gemeinsamkeit, denn er ist der Schöpfer und wir sind geschaffen, er ist unkörperlich und wir sind körperlich, er ist einzig und wir sind viele, er ist beständig und wir sind vergänglich. Da wir nun Gottes Eigenschaften zu erkennen nicht imstande sind, so können wir auch sein Wesen nicht erkennen. Aber gerade daß wir sein Sein und sein Wesen zu erfassen nicht imstände sind, ist ein Beweis für sein wahres Sein, denn wäreh wir imstande, sein Sein zu erfassen, so würde es mit unserem Sein eine gewisse Ähnlichkeit haben, also sein Nichtsein beweisen3). Ebenso verhält es sich mit allen Attributen Gottes. Daß wir sie nicht erkennen, ist ein Beweis für ihre Existenz, während unsere Erkenntnis von ihnen ein Beweis für ihre Nichtexistenz wäre, denn wir sind nur das zu erkennen imstande, was vorn Nichtsein zum Sein gelangt und wieder zum Nichtsein zurückkehrt, x) Daß es von Gott eine Definition nicht geben könne, lehren auch Jehuda Halewi (Kusari IV, 25, ed. Cassel, S. 354), Abraham Ibn Daud (Emunah Ramah, S. 46, deutsche Übersetz., S. 59, das. S. 52, deutsche Übers., S. 66), Josef Ibn Zaddik (Mikrokosmus III, 6 ed. Horovitz, S. 55) und Maimonides (More l, 52, Munk, Guide I, p. 190). 2) Das wird an den Wahrnehmungen der einzelnen Sinne näher erläutert. Vgl. Kaufmann, Die Sinne, S. 117, S. 168, Ä. 12). ף vm, S. 30a: כי העדר ידיעת מציאותו יתחייב להיותו נמצא׳ כאשר השנת מציאותו יתחייב לבל יהיה נמצא.. Vgi.111,s.11b ואלו תושג אחדותו לא .היה לו אהלות; ובטול השנתינו לדעתו הוא לאות על כי דעתו.אטתית ובטול השגתינו היותו הוא לאות על כי היותו אמתית.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.