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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1919-01-01 · Heft 3 · p. Seite 301

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
63 (1919)
Issue
Heft 3
Article
Die ethische Schrift Sepher Hajaschar und ihre philosophischen Anschauungen
Date
1919-01-01
Page
Seite 301 (sequence 11)
Language
German
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und ihre philosophischen Anschauungen, 301: Gottes und der Menschen, denn nur vermittelst der vollkommenen Vernunft gelangt der Mensch zur Gottesverehrung, zur Gottesliebe und zur Gottesfurcht. Alle drei entspringen der Vernunft, wie die Ströme, die einem Quell entspringen. Liebe, Ehrfurcht und Denken ohne Vernunft haben keine Wurzel und keinen Grund1); Die wahre Gottesliebe entspringt nicht der Furcht vor Strafe oder der Hoffnung auf Lohn, sondern der Erkenntnis der Größe Gottes, die die Gottesliebe zur notwendigen Folge hat. Wenn: der Mensch Gott liebt, so ist das ein Zeichen, daß seine Seele göttlich ist, denn der Mensch liebt das, was ihm wesensgleich istJ Dann wird der Mensch aber auch danach streben, in seinem Wandel Gott ähnlich zu werden2). Auf eine Wiedergabe der einzelnen, auf diesen Grund» Prinzipien sich aufbauenden ethischen Lehren glauben wir ver~ zichten zu dürfen, da sie, jeder Originalität entbehrend, kein besolideres Interesse darbieten. Dagegen ist es vielleicht nicht ohne Wert, die eigentlich philosophischen Anschauungen kennen zu; lernen, die in unserer Schrift gelegentlich zur Darstellung gelangen.;־ 1. Die Erkenntnis Gottes und der göttlichen Attribute. Um zur Erkenntnis des Schöpfers zu gelangen, muß man• den entgegengesetzten Weg einschlagen wie zur Erkenntnis der geschaffenen Dinge. Zur Erkenntnis der geschaffenen Dinge ge־; langt man durch die Erkenntnis ihrer Definition, ihrer Quantität, ihrer Qualität und ihrer Gestalt. Da aber diese erst durch die Schöpfung entstanden sind, so sind sie beim Schöpfer, der vor der Schöpfung da war, nicht vorhanden. Der Schöpfer kann daher nicht durch sie, sondern durch ihren Gegensatz, der vor der Schöpfung da war, oder durch ihr Nichtsein erkannt werden,!) V, S. 14b. 2)• XIII, S. 34a. Vgl. Maimonides, More, I, cap. 39 (Guide I, p. 144> 111, cap. 28 (Guide 111, p. 215), 111ל cap. 51 (Guide 111, p. 4317). Auch die anderen Ausführungen über die Bedingtheit der Gottesverehrung von; der Vernunfterkentnis erinnern vielfach an Maimonides.

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