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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1919-01-01 · Heft 3 · p. Seite 300

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
63 (1919)
Issue
Heft 3
Article
Die ethische Schrift Sepher Hajaschar und ihre philosophischen Anschauungen
Date
1919-01-01
Page
Seite 300 (sequence 10)
Language
German
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300 Die ethische Schrift Sepher Hajaschar auch die Thora, um deretwillen die Welt geschaffen wurde, hat keinen anderen Zweck, als den Menschen zur Gottesverehrung anzuleiten. Zu ihrem vollkommensten •Ausdruck kommt die Gottesverehrung, wenn sie in der Liebe zu. Gott ihre Wurzel hat, denn die Liebe schließt auch die Ehrfurcht in sich, während die Ehrfurcht oder. Furcht nicht auch die Liebe in sich schließt. Eine in der Liebe wurzelnde Gottesverehrung war die Abrahams und ist die der Frommen im LJnterschied von der Gottesverehrung der Sünder und der heidnischen Völker, die nur in der Furcht wurzelt. Mit der Liebe und Ehrfurcht muß sich aber auch das Denken verbinden, denn ohne Denken fehlt uns die Kenntnis des Grundes der Gottesverehrung und der. richtigen. Art ihrer Betätigung1). Die wahre Gottesverehrung wurzelt in dem richtigen Glauben, der der Vernunft entstammt und eine Vereinigung der Liebe, der Ehrfurcht und des Denkens darstellt. Ein Glaube, der nur auf Liebe und Ehrfurcht beruht, d. h. des Denkens entbehrt, ist ein unvollkommener Glaube. Es gibt aber auch ein Denken, das den Glauben schädigt, das ist das Denken der Gottesleugner und der den Glauben an die Thora verwerfenden Philosophen. Wenn mit diesem verkehrten Denken sich noch ein schlechtes Herz und niedrige Charaktereigenschaften verbinden, so wird dadurch der Quell der Liebe zerstört und der Glaube völlig vernichtet2). Die Gottesverehrung setzt die Vernunft voraus; ihre Vollkommenheit ist von der Vollkommenheit der Vernunft und des vernünftigen Denkens bedingt. Denn da das gottgefällige Handeln darin besteht, daß der Mensch in allen Dingen das richtige Maß und die Mitte zwischen den Extremen nach beiden Richtungen innehält, so bedarf es der Vernunft, um das richtige Maß zu erkennen und sein Verhalten danach einzurichten. Auch kann der Mensch nur durch die Vernunft zur rechten Gotteserkeijntnis gelangen, von der die rechte Gottesverehrung bedingt ist3). Wenn der Mensch die Vernunft, welche die Frucht der Seele ist, in. sich, zur Vollkommenheit gebracht hat, findet er Wohlgefallen in den Augen ף II, S. 7b. 2) III, S. 8b. ' 3) III, S. -ioa.

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