Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 63 (1919)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die ethische Schrift Sepher Hajaschar und ihre philosophischen Anschauungen
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 296 (sequence 6)
- Language
- German
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296 Die ethische Schrift Sepher Hajaschar;reits bemerkt, in dem Testament des im Jahre 1349 gestorbenen Jehuda b. Ascher 1).. Danach würde die Abfassung unserer Schrift in die Zeit zwischen der zweiten Hälfte des zwölften und der zweiten Hälfte des vierzehnten Jahrhunderts fallen. Brüll glaubt iaus den Ausführungen über die Selbstgenügsamkeit Gottes, die manche Berührungspunkte mit der Behandlung dieser Frage im •»Mikrokosmus« des Josef Ibn Zaddik (gestorben 1349) auf weisen, auf eine Bekanntschaft mit diesem Werke schließen zu dürfen2). Allein die Darstellung in unserer Schrift ist, wie sich bei einer genaueren Vergleichung ergibt, von der im Mikrokosmus doch so verschieden3),, daß eine Abhängigkeit nicht mit Sicherheit behaüptet werden kann. Vielleicht könnte man einen Anhaltspunkt für die Zeitbestimmung auch darin finden, daß Maimonides, der in der Einleitung zu,seinem Abotkommentar, den sogenannten »Acht Kapiteln«, ja auch eine Darstellung der Ethik gegeben hat, im Sefer.Hajaschar nicht erwähnt wird4). An diesem, das Geistesa) Vgl. oben S. 392 A. 1. Isaak Aböab, der in seinem »Menorat Hainaor« unsere Schrift benutzt hat (Brüll a. a. O. S. 81 A. 5) ist jünger als Jehuda b. Ascher (Brüll a. a. O. S. 82). 2) Vgl. Brüll av a; O. S? 81 A. 7. 3) Vgl., weiter. 4) An die Lehre des Maimonides von der »Heilung der menschliehen Seele«, wie der krankhafte Zustand im Gebiete der Sittlichkeit nach den Regeln der allgemeinen Heilkunde behandelt werden müsse. (Eirileit. zum Abotkommentar cap. 4, Vgl. Rosin, Die Ethik des Maimonides, S. 83), erinnert die folgende Ausführung in unserer Schrift (VII S. 27 b): »Wenn der Körper erkrankt, so ergreifen wir eine diese Krankheit bekämpfende Heilmethode, und je mehr die Krankheit eine Abweichung von der rechten Mitte nach der einen Seite herbeiführt, desto stärker muß das Heilmittel nach der anderen Seite sein. Ist z. B. im Körper ein geringer Grad von Hitze eingetreten, so werden wir als Heilmittel einen geringen Grad von Kälte anwenden. Hat aber die Hitze einen hohen Grad erreicht, so muß der äußerste Grad von Kälte als Heilmittel angewendet werden, denn die Hitze wird nicht wieder auf das rechte Maß zurückgeführt als durch die der Abweichung vom rechten Maß entsprechende Kälte. So ist es auch bei der Heilung der Seele z. B. vom Übermaß der Geldliebe. Diese muß durch die Gewöhnung an Freigebigkeit geheilt werden« usw.