Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 63 (1919)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die ethische Schrift Sepher Hajaschar und ihre philosophischen Anschauungen
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 294 (sequence 4)
- Language
- German
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294 Die ethische Schrift Sepher Hajaschar Auffassung dieser Angabe Lonsanos, unsere Schrift dem bekannteren Träger des gleichen Namens, dem. Serachja Halewi aus Gerona, Verfasser der unter dem Titel Maor veröffentlichten Glossen zu Alfassis talmudischem Kompendium, zugeschrieben worden1). Was die äußeren Lebensverhältnisse des Verfassers unserer Schrift betrifft, so möchte ich auf Grund einer Stelle im dreizehnten Kapitel die Vermutung aussprechen, daß er von Beruf Arzt gewesen sei. Er führt dort aus, wie der Fromme darauf achten müsse, daß er durch den Betrieb seiner irdischen Geschäfte nicht seinem eigentlichen Lebensziele, der Gottesverehrung, entfremdet werde. Nachdem er kurz von den den Vertretern des Handelsstandes und des Hofdienstes in dieser Beziehung obliegenden Pflichten gesprochen, fährt er fort: »Wenn er sich mit der Heilung von Krankheiten beschäftigt, so soll er, wenn es ihm möglich ist von dem Kranken keine Bezahlung nehmen und das große Ziel im Auge behalten und es nicht um des kleinen willen aufgeben. Dadurch erwirbt er sich das ewige Leben, indem er gewissermaßen die dem Tode Geweihten rettet. Denn wenn auch Alles in der Hand Gottes liegt, so wird es ihm doch wegen seiner guten Absicht, den Kranken zu retten und von seinem Leiden zu befreien, an gerechnet, als ob er ihn vom Tode gerettet hätte. Reicht aber sein Vermögen nicht zu seinem Unterhalt hin, so möge er von den Reichen soviel nehmen, daß er von den Armen nichts zu nehmen braucht. Gefährliche Kranke soll er dreimal am Tage, mittlere zweimal, abends und morgens, besuchen und soll ihnen freundlichen Zuspruch gewähren und sie zu beruhigen suchen« 2). Das macht den Eindruck, als ob ihm die ärztliche Berufstätigkeit besonders nahe gelegen habe. Die Zeit der Abfassung unserer Schrift läßt sich in Ermangelung jedes äußeren Zeugnisses auf Grund der folgenden Momente nur sehr annähernd umgrenzen. Der einzige Autor, der in ihr genannt wird, ist Bachja Ibn Pakuda (zweite Hälfte des XI. Jahrhunderts), a) Vgl. Asulai, Schern Hagedolin s. v. 2) Sepher Hajaschar (ed. Amsterdam 5468 1708) XIII, S. 36a.