Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 63 (1919)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Schatzkammer des Tempels in Jerusalem
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 242 (sequence 16)
- Language
- German
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242 Die Schatzkammer des Tempels in Jerusalem. höheren Würdenträger, den sie ja kennen mußten, ein Tor oder eine Türe geöffnet hatten. Kann man da noch ernstlich behaupten, daß die sieben Schlüssel der Azarah in den Händen der bei dem angeblich gleichzeitigen Aufschließen aller Tore anwesenden Ämarkelin lagen? , Dagegen legen die von mir angeführten Mischnajoth Verwahrung ein. Ich sage das nur deshalb, um zu zeigen, daß ich gleich im J. 1876 in der Lage gewesen wäre, meinem hochverehrten Lehrer zu antworten. Trotzdem habe ich geschwiegen, u. z., wie ich es rückhaltslos eingestehe, nicht bloß aus purer Pietät, denn man kann ja sicherlieh auch pietätsvoll sich zur Wehr setzen, sondern auch aus dem Grunde, weil ich lange Zeit mit den sieben Schlüsseln der Schatzkammer nichts Rechtes anzufangen wußte. Über die Tat- Sache, daß die Mischna unter ׳לשכה schlechthin nur die Kammer für die halben Schekalim versteht, während dasselbe Wort im Zusammenhang mit שבע מפתחות tatsächlich alle Räume der Schatzkammer bedeutet, wäre ich bei der eigenartigen Terminologie der einander ablösenden Generationen leichten Herzens hinweggekommen. Aber es wollte mir anfangs nicht in den Sinn, daß es für den Dispositionsfonds, der den .Beamten für Mehl, Wein und Oel zur Verfügung gestellt wurde, eine besondere Zelle gegeben haben sollte. Erst nachdem ich die Überzeugung gewonnen hatte, daß bei der Liberalität, mit• welcher diese Summe alljährlich bemessen wurde, die Möglichkeit eines Überschusses auch hier . gegeben war, verdichtete sich bei mir die bloße Vermutung einer siebenten Lischka zu völliger Gewißheit1). Es muß demnach bei meiner Emendation des Wortes העזרה in הלשכה sein Bewenden haben. Der Fehler ist eben dadurch entstanden, daß die Kopisten *) Ich hätte wohl den überschüssigen siebenten Schlüssel als den der Vortüre bezeichnen können, an welche die Siegel angelegt wurden; dann wäre ich jedoch genötigt gewesen, einen der sieben Ämarkelin ohne Schlüssel zu belassen, weil ja der Schlüssel zu der alle Innen- Räume absperrenden Haupttür sicherlich in den Händen des Katholikos sich befand. Ich nehme sogar an, daß diese Vortür zwei Schlösser hatte, sodaß jeder der beiden Katholiki einen Schlüssel bekam.