Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 63 (1919)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Schatzkammer des Tempels in Jerusalem
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 232 (sequence 6)
- Language
- German
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282 Die Schatzkammer des Tempels in Jerusalem. grenzten Mißtrauen erfüllt. Daß es mehrere Scholiasten gegeben und daß mein Mißtrauen gegen sie tatsächlich begründet ist, habe ich in der Revue des etudes juives LXIII, 51 f. und in der Mschrft. 1917, 392 f. anschaulich genug gezeigt Auch hier rührt der Schluß des Scholions, den der Talmud nicht kennt, von einem Späteren her, dem die Diskussion über die Materie als lückenhaft erschien, und der die Lücke ausfüllen zu müssen glaubte. So fügte er aus eigener Machtvollkommenheit eine wohlgemeinte Begründung hinzu. Weil der Streit acht Tage dauerte, hat man nicht den 8., sondern alle acht Tage zu Halbfesten bestimmt Sonderbare Motivierung! Und wenn der Streit noch länger sich hingezogen, wenn er sich auf acht Monate erstreckt hätte, dann wären wohl acht Monate zu Halbfesten bestimmt worden? Die Sadduzäer, die sich überall an das Wort, den Buchstaben klammerten, konnten doch unmöglich im Ernst daran denken, daß die täglichen Opfer regelmäßig von Privatpersonen dargebracht werden dürfen. Der scheinbare Widerspruch zwischen dem Plural Num. 28, 2. 3 und dem Singular in VV. 4 und 8 verschwindet doch sofort, sobald man sich gegenwärtig hält, daß der ei n e Priester am Altar das Opfer im Namen der Gesamtheit darbringt Und dieser Streit, der entweder garnicht stattfinden, oder doch in einigen Minuten geschlichtet werden konnte, soll erst zur Zeit der Königin Salome Alexandra stattgefunden haben? Wie ist es denn bis dahin seit dem Siege der Hasmonäerv über die Syrer und Hellenisten mit dem täglichen Opfer gehalten worden? Wurde es stets von Privatpersonen für den Altar gespendet? Über diese mit Macht sich aufdrängenden Fragen ist unser unsterblicher Meister Graetz leichten Schrittes hinweggegangen. Seine hohe Wertschätzung der eigentlichen Fastenrolie ließ kein rechtes Mißtrauen gegen die Scholien in ihm aufkommen. Es fällt mir nicht leicht, mich über den als Norm geltenden Satz אלין משיבין את הארי אחרי ט ותו hinwegzusetzen, aber ich kann doch nicht umhin, sowohl den Schluß für apokryph als auch die dem Babli entlehnte Baraitha als eine auf Verkennung tatsächlicher Verhältnisse beruhende zu erklären. Nach meiner wissenschaftlichen Überzeugung dürfte der Streit