Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 63 (1919)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Schatzkammer des Tempels in Jerusalem
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 229 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2829132-2829892-2829896-2894917--43642-2894963- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die Schatzkammer des Tempels in Jerusalem. 229 zusammensetzte. Zu Anfang hatten Esra und Nehemiah, um die Bedürfnisse des Tempels zu decken, reichlich für die nötigen Mittel Sorge getragen (Esra 2, 68. 69. Neh. 7, 70. 71; 10, 39. 40; 12,44; 13, 12. 13)•; aber es dauerte nicht lange, und die Schatz־ kammer füllte sich mit den Spenden des Volkes. Gewiß wurde auch die Schatzkammer des zweiten Tempels geplündert; doch weniger von feindlichen Königen, sondern weit mehr von ruchlosen, gewalttätigen Juden, von jenen Hellenisten, welche sich der materiellen Schätze des Tempels bemächtigten, um den alten idealen Schatz des jüdischen Volkes zu vernichten. Dieser schändliche Plan wurde jedoch von den treuen Wächtern des Heiligtums durchkreuzt und seine Ausführung vereitelt. Anfangs hatte es den Anschein, als würden unsichtbare Mächte auch über den materiellen Schatz wachen. Denn Heliodor, den Seleukos IV. nach Jerusalem geschickt hatte, um die Schätze des Tempels zu heben, fiel, von einer schrecklichen Vision betäubt, in der Schatzkammer zu Boden, so daß ihm die Lust zu rauben und zu plündern für immer verging1). Antiochus Epiphanes freilich hatte keine Visionen, und er fröhnte seiner Raublust auch in der Schatzkammer des Tempels. Indessen fand er keine Nachahmer. Die Römer requirierten, aber plünderten nicht, am allerwenigsten geweihte Stätten. Pompejus, der in den Tempel eindrang, war von einer solchen ehrfurchtsvollen Scheu erfüllt, daß er den Tempelschatz unberührt ließ. Crassus und Flaccus waren weniger pietätsvoll. Doch gleichviel, ob öfter oder seltener ausgeraubt, die Schatzkammer des zweiten Tempels unterschied sich von jener des ersten darin, daß sie aus dem Dienste des Heiligtums hervorgegangen, fast bis zu Ende ausschießlich in den Dienst des ׳Heiligtums gestellt blieb. Diesen Tempelschatz der nachexilischen Zeit möchte ich zu Ehren meines lieben Freundes M. Brann zum Gegenstände einer Untersuchung machen, die uns beide in jene sonnige Jugendzeit zurückführt, da er sich den Geschichtsstudien dieser Periode mit ebenso großem Erfolg wie 11 (ג Mak. III, 24 ff.