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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1919-01-01 · Heft 3 · p. Seite 220

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
63 (1919)
Issue
Heft 3
Article
Die Entstehungsgeschichte des Joel'schen Gebetbuchs
Date
1919-01-01
Page
Seite 220 (sequence 11)
Language
German
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220 Die Entstehungsgeschichte des Joel’schen Gebetbuchs. aber ihren Wortlaut verstehen, ist selbstverständlich, da wir ja sonst einfach auch in der Änderung jedes einzelnen Wortes behindert wären. Die Prüfung, ob alles so geschehen, wie es hier vorgeführt, steht nicht Dr. Geiger zu, auch sonst keinem einzelnen Manne, sondern lediglich den Breslauer Gemeindebehörden. Was hier Geiger angeboten worden, ist meiner innersten Überzeugung nach das Höchste, was ohne Schädigung der Breslauer Gemeinde und ihrer Ehre angeboten werden kann. Jede Bemängelung des hier Angebotenen, namentlich aber die etwaige Forderung Geigers, die prinzipiellen Einrichtungen zu überwachen, ist so beleidigend, daß ich wenigstens es nicht mit meiner wissenschaftlichen und amtlichen Ehre zu vereinigen wüßte. Niemand ist dankbarer für die Vergangenheit der hiesigen Gemeinde als ich. Schwerlich würde, ohne daß Geiger vorher amtiert hatte, ein Rabbiner möglich sein, der, wie ich, über Spinoza schreibt und in Deutschlands philosophischen Kreisen nach seinen schwachen Kräften mitredet, ohne von Obskuranten verketzert zu werden. Aber meine Stellung in der wissenschaftlichen Welt macht mich unfähig, mich unter die rabbinatspolizeiliche Aufsicht Geigers zu stellen. »Jedem das Seine« ist die Grundlage aller Gerechtigkeit, jede andere Grundläge wie z. B. »mir gehört sowohl deine Stellung als auch meine«, ist bereits in den Sprüchen der Väter gekennzeichnet. Gern will ich der Vergangenheit ihr Recht und den schuldigen Zoll der Hochachtung bringen, aber die Gegenwart unbeachtet lassen, ist der sicherste Weg dazu, daß das, was einst angemessen und fortschrittlich war, an seiner eigenen Langweiligkeit abstirbt, während die gegenwärtige Kraft matt gesetzt wird und das nicht zu leisten imstande ist, was die Gemeinde sonst Ersprießliches an ihr hätte«. Die in diesem Expose dargelegten Gedanken und Ansichten wurden nach den Vorschlägen des Verfassers zu Leitsätzen formuliert und als solche sowohl von der Kommission als auch von den beiden Gemeindeverwaltungsbehörden im wesentlichen zum Beschlüsse erhoben. Sie sind in dem nachfolgenden Schreiben enthalten, das der Gemeindevorstand nach einem Entwürfe des Assessors Milch an Dr. Geiger gerichtet hat1): 1J Der nachfolgende Schriftwechsel ist den Akten des Vorstandes der Synagogen-Gemeinde zu Breslau (betr. Neue Synagoge) entnommen.

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