Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 63 (1919)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Entstehungsgeschichte des Joel'schen Gebetbuchs
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 217 (sequence 8)
- Language
- German
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Die Entstehungsgeschichte des Joel’schen Gebetbuchs. 217 Stücken, die erreichte und notwendige Kürzung des Gottesdienstes in Frage zu stellen. Die Garantien, die wir in dieser Beziehung bieten, sind sehr ausgedehnt: denn selbst iii dem Falle, wenn Dr. Geiger uns sein Buch entzöge, würden wir dasselbe treffliche Buch, das neben dem Hamburger Tempelsiddur ersichtlich auch Geiger geleitet hat, das Wiener Machsor, von dem feinsinnigen Mannheimer angeordnet, zu Grunde legen und nur wie Geiger im fortschrittlichen Sinne amendieren. Denn, beiläufig gesagt, ist das Wiener Gebetbuch, auf welches sich Dr. Geiger in seinem Schreiben beruft, ein zwar ästhetisch mustergiltig geratenes, aber aufs strengste konservativ ohne jede Änderung vom prinzipiellen Gesichtspunkte aus. Ich gestehe, daß ich darum die Berufung Geigers in seinem Privatschreiben auf dieses Buch im dortigen Zusammenhänge mir nicht zu deuten gewußt habe, da das Buch, wenn überhaupt, jedenfalls das Umgekehrte beweist von dem, was dort gewollt wird. Wir würden also, wie gesagt, das Arrangement vollständig nach Geiger belassen. Ich würde wohl Geiger zu nahe treten, wenn ich dabei erst erwähne, daß wir selbstverständlich darum das Recht, eine Gesangspiece, sei es hebräisch oder deutsch, einzuführen, gerade so gut uns reservieren, wie er es selbst in seinem neuen Gebetbuche geübt hat. Er hat wohl das alte Arrangement beibehalten, aber nicht in sklavischer oder kindischer Weise. Es kann nur von dem eigentliehen Charakter des Arrangements die Rede sein. Ich komme 2. auf die prinzipiellen Änderungen. Hier sind nicht Gebetstücke weggelassen, sondern die stehengebliebenen in einzelnen Sätzen oder auch Worten geändert. Obwohl diese Änderungen räumlich gering sind und den ästhetischen Charakter, den Rhythmus, wenn ich so sagen darf, des Gottesdienstes nicht tangieren, so sind sie doch, weil eben prinzipieller Natur und mit den Überzeugungen zusammenhängend, die wichtigsten. Nun ist zwar die Kommission noch nicht in der Lage gewesen, über alle diese Detailfragen abzustimmen. Ohne die Wichtigkeit dieser Fragen zu verkennen, mußte sie sich doch sagen, daß die Herstellung des Gebetbuches von vielen Seiten angefaßt, ja fast zu Ende gebracht werden kann, wenn auch über diese dem Raume nach kleinen Punkte noch nichts fixiert ist. Sie wollte geschäftsmäßig das dringlichste, d. h. dasjenige -erst erledigen, was unverhältnismäßig mehr Zeit in Anspruch nimmt, weshalb sie mit der deutschen Bearbeitung begann.